Silber kämpft sich zurück über die 59-Dollar-Marke. Am Montag steigt der Preis um 1,15 Prozent auf 59,42 US-Dollar je Unze. Der Grund für die Berg-und-Tal-Fahrt der letzten Tage liegt nicht im Silbermarkt selbst. Er liegt beim Öl.

Ölpreis zieht Silber nach unten

Erst vor Kurzem war Silber unter die 59-Dollar-Marke gerutscht. Auslöser war die Eskalation im Nahen Osten. Sie trieb die Ölpreise nach oben und schürte Erwartungen auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank.

Zuvor war der Preis sogar auf rund 57 Dollar gefallen. Steigende Ölpreise heizten die Inflationssorgen an. Die Märkte rechneten mit einer strafferen Fed-Politik.

Konkreter Auslöser: Präsident Donald Trump drohte mit umfassenderen Militäraktionen gegen Iran. Brent-Rohöl stieg daraufhin erstmals seit Mai über 100 US-Dollar je Barrel. Parallel spitzte sich die Lage im Roten Meer zu. Die iranisch unterstützten Houthi-Rebellen bekannten sich zu Angriffen auf zwei saudische Öltanker. Die USA flogen zur selben Zeit bereits in der zwölften Nacht in Folge Angriffe auf Iran.

Zinserwartungen drücken auf Edelmetalle

Der Mechanismus dahinter ist simpel. Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen. Das wiederum stärkt die Erwartung, dass die Fed die Zinsen länger hoch hält. Höhere Zinsen mindern die Attraktivität von Silber – schließlich wirft das Edelmetall keine Zinsen ab.

Die Zahlen zeigen, wie stark diese Erwartung inzwischen eingepreist ist. Die Geldmärkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September auf rund 78 Prozent.

Trotz dieses Gegenwinds hielt sich Silber zuletzt wacker. Das Edelmetall blieb trotz des Rückgangs auf Kurs für einen wöchentlichen Gewinn. Zusätzlichen Druck brachten neue US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe wichtiger Handelspartner. Sie sorgten für zusätzliche Unsicherheit an den Märkten.

Analysten bleiben vorsichtig

Nach dem jüngsten Rücksetzer üben sich viele Marktbeobachter in Zurückhaltung. Analysten der UBS äußerten sich am 22. und 23. Juli zur Bodenbildung im Silberpreis. Ihr Fazit fiel für die kurzfristige Entwicklung von Gold und Silber generell skeptisch aus – nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen ist das wenig überraschend.

Die fundamentale Lage bleibt gespalten. Auf der einen Seite belasten steigende Ölpreise über den Zinskanal die Nachfrage nach Edelmetallen. Auf der anderen Seite sorgt die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten für Absicherungsbedarf. Silber steckt damit zwischen zwei Kräften fest: dem klassischen sicheren Hafen und der Zinssensitivität als unverzinste Anlage.

Der Ölmarkt bleibt der Schlüssel

Für die kommenden Handelstage dürfte der Ölpreis der wichtigste Impulsgeber bleiben. Er schlägt direkt auf die Zinserwartungen durch – und damit auf Silber. Spitzt sich die Lage im Nahen Osten weiter zu, könnte das über zwei Kanäle wirken: höhere Ölpreise auf der einen Seite, steigende Nachfrage nach sicheren Häfen auf der anderen. Beide zusammen würden die Schwankungen im Silbermarkt weiter verschärfen.