Der Silberpreis gibt am Dienstag deutlich nach. Die Feinunze notiert im frühen Handel bei rund 57,63 US-Dollar. Das entspricht einem Minus von etwa 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag.

Zwei Faktoren treiben den Rückgang: nachlassende geopolitische Spannungen und die Erwartung vor der Fed-Sitzung. Beide Themen verdienen einen genaueren Blick.

Nahost-Entspannung nimmt Silber die Risikoprämie

Die Lage im Nahen Osten beruhigt sich. Zuletzt hatten die Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Nachfrage nach sicheren Häfen angeheizt. Jetzt mehren sich Berichte über eine diplomatische Pause der Feindseligkeiten.

Militärische Schritte werden offenbar vorübergehend ausgesetzt. Das lässt die Risikoprämie am Edelmetallmarkt schrumpfen. Silber trifft das härter als Gold, denn Silber reagiert wegen seiner höheren Volatilität empfindlicher auf geopolitische Stimmungswechsel.

Gold bleibt am Dienstag nahezu unverändert. Der Rückgang bei Silber zeigt: Anleger bauen ihre kurzfristigen Absicherungsgeschäfte ab.

Solarindustrie spart Silber ein, KI-Boom fängt auf

Neben der Geopolitik verändert sich auch die fundamentale Nachfrage nach Silber. Die Photovoltaik-Industrie war jahrelang der wichtigste Wachstumstreiber für das Metall. Jetzt verschärft sich der Trend zum sogenannten „Thrifting“.

Hersteller reduzieren den Silberanteil in Solarzellen massiv. Teilweise ersetzen sie das Metall durch Kupfer, um Kosten zu sparen. Für 2026 rechnen Experten mit einem Silberbedarf der Solarbranche von nur noch 151 Millionen Unzen – ein Rückgang von rund 19 Prozent.

Diesem Abwärtstrend steht eine wachsende Nachfrage aus der Technologiebranche gegenüber. Der Ausbau der KI-Infrastruktur und die steigende Elektromobilität kompensieren einen Teil der Verluste aus der Solarindustrie. Hochleistungschips und Rechenzentren brauchen Silber wegen seiner Leitfähigkeit – und stabilisieren damit die industrielle Nachfragebasis.

Fed-Sitzung und knappe Lager im Blick

Der gesamte Edelmetallsektor blickt heute auf den Start der zweitägigen Fed-Sitzung. Analysten erwarten, dass die US-Notenbank die Leitzinsen in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Neue Wirtschaftsprojektionen stehen diesmal nicht an.

Deshalb richtet sich der Fokus der Anleger auf die Pressekonferenz im Anschluss. Signalisiert die Fed künftige Zinssenkungen, könnte das den Dollar schwächen. Das würde den Silberpreis stützen.

Trotz der aktuellen Korrektur bleibt die physische Lage am Markt angespannt. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit dem sechsten Defizitjahr in Folge. Die Lagerbestände an der New Yorker Terminbörse COMEX liegen mit rund 330,9 Millionen Unzen weiter auf historisch niedrigem Niveau.

Ein struktureller Grund verschärft das Problem zusätzlich: Etwa 70 Prozent der Silberförderung fallen nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer oder Zink an. Das Angebot kann deshalb kaum auf Preisanstiege reagieren. Der langfristige Fehlbetrag am Markt bleibt bestehen – unabhängig davon, wie die Fed am Mittwoch entscheidet.