Der Silberpreis steht unter doppeltem Druck. Die US-Notenbank signalisiert weitere Zinserhöhungen. Parallel dazu drosselt die Solarindustrie ihren Verbrauch drastisch. Das Erstaunliche: Selbst dieser Gegenwind reicht nicht aus, um das strukturelle Angebotsdefizit des Edelmetalls zu beenden.
Solarbranche spart massiv
Photovoltaik-Hersteller treten auf die Bremse. Ihr globaler Silberverbrauch sinkt dieses Jahr um rund 19 Prozent auf 151 Millionen Unzen.
Der Grund ist simpel. Der hohe Silberpreis trieb den Materialanteil an den Zellkosten zuletzt auf über 20 Prozent. Die Hersteller reagieren mit sogenanntem „Thrifting“. Sie setzen das Edelmetall schlicht sparsamer ein.
Eine echte Alternative fehlt. Die dominierende TOPCon-Bauweise arbeitet mit hohen Temperaturen. Kupfer oxidiert unter diesen Bedingungen zu schnell. Branchenexperten erwarten eine funktionierende Kupfer-Substitution frühestens ab 2028.
KI-Boom füllt die Lücke
Was der Solarsektor einspart, schlucken andere Branchen. Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und die Automobilelektronik verbrauchen immer mehr Silber. Diese neuen Nachfragezentren verhindern einen Einbruch des industriellen Gesamtverbrauchs.
Auf der Anlegerseite wächst das Interesse enorm. Die physische Investmentnachfrage klettert voraussichtlich um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen.
Die Folge: ein anhaltender Engpass. Der Markt steuert 2026 auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu. Es fehlen rund 46 Millionen Unzen. Die Angebotsseite kann kaum reagieren. Etwa drei Viertel des globalen Silbers fallen lediglich als Nebenprodukt von Kupfer-, Blei- und Zinkminen an.
Zinsangst bremst den Kurs
Trotz der fundamentalen Stärke schwächelt der Preis kurzfristig. Silber notiert zum Quartalsende bei knapp 59 US-Dollar je Feinunze. Auf Monatssicht bedeutet das ein Minus von fast 22 Prozent. Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei knapp 69.
Zinssorgen belasten das Sentiment. Der neue Fed-Chef Warsh positioniert sich klar gegen die Inflation. Diese stieg im Mai auf 4,1 Prozent. Die Märkte preisen nun drei US-Zinserhöhungen für das laufende Jahr ein.
Geopolitik und Makrodaten bestimmen die nächsten Tage. In Doha verhandeln die USA und der Iran heute über einen Waffenstillstand. Die iranische Kontrolle der Straße von Hormuz blockiert bislang eine Einigung. Parallel dazu warten Händler auf den US-Arbeitsmarktbericht. Fällt dieser stark aus, dürfte der Zinsdruck auf das Edelmetall weiter wachsen.
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