Silber schießt am Mittwoch über die Marke von 61 US-Dollar. Der Kurs legt zeitweise um mehr als 3,8 Prozent zu. Zwei Nachrichten treiben den Ausbruch: Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und schwindende Zinsängste in den USA.

Hormuz-Abkommen dämpft Inflationssorgen

Katar und Oman haben Berichten zufolge einen Entwurf für ein Interimsabkommen vorgelegt. Das Abkommen soll die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz normalisieren. Washington und Teheran stehen laut diesen Berichten kurz vor einer Einigung. Der Markt reagiert am Mittwoch spürbar erleichtert.

Die Aussicht auf eine sichere Ölversorgung drückt die Ölpreise. Das dämpft die globalen Inflationserwartungen. Für Silber bedeutet das eine doppelte Entlastung: Die geopolitische Prämie sinkt leicht, gleichzeitig gewinnt das zinslose Edelmetall durch die Erwartung lockerer Fed-Politik.

Fed-Vertreter uneins über nächste Schritte

Marktteilnehmer preisen inzwischen nur noch eine Zinserhöhung bis Jahresende ein. Zuvor rechneten sie mit zwei weiteren Schritten. Aktuelle Aussagen aus der Fed spiegeln diese Unsicherheit wider.

Anna Paulson, Präsidentin der Philadelphia Fed, nannte sich am Dienstag in einem Essay weiterhin „offen“ für die künftige Geldpolitik. Sie verwies auf widersprüchliche Signale zur Straffung. Jeff Schmid von der Kansas City Fed mahnte am selben Tag in Omaha zur Vorsicht. Er warnte davor, inflationsbedingte Angebotsschocks als vorübergehend abzutun, und hielt an höheren Zinsen fest.

Die heute erwarteten ADP-Beschäftigungsdaten und der ISM-Dienstleistungsindex gelten deshalb als wichtige Impulsgeber für den weiteren Kursverlauf.

Physische Nachfrage stützt den Ausbruch

Silber hat mit dem Sprung über 61 US-Dollar wichtige Widerstände durchbrochen. Analysten von TradingView News sehen nun die Marke von 62 US-Dollar im Blick. Eine starke physische Nachfrage in Asien stützt den Kurs zusätzlich.

Besonders in China und Indien bleibt das Interesse hoch. An der Shanghai Gold Exchange zahlen Käufer weiterhin zweistellige Aufschläge gegenüber den COMEX-Preisen in New York. Diese Preislücke und längere Lieferzeiten für physische Ware stützen das Niveau trotz schwankender Industrienachfrage.

Ein schwächerer US-Dollar und sinkende Anleiherenditen verstärken den Aufwärtstrend am Mittwoch zusätzlich. Rückt die Marke von 62 US-Dollar in Reichweite, dürfte die Aufmerksamkeit auf die heutigen US-Arbeitsmarktdaten steigen.