Silber bricht die Rally der Vorwochen ab. Am Dienstag fällt der Preis auf 64,97 US-Dollar pro Feinunze. Das sind 1,25 Prozent weniger als am Montag, als noch 65,79 Dollar galten. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von rund 8,61 Prozent zu Buche.
Gold-Silber-Ratio zeigt Schwäche
Auch im Vergleich zu Gold verliert Silber an Boden. Das Gold-Silber-Verhältnis kletterte von 67,14 am Montag auf 67,58 am Dienstag. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Unzen Silber eine Unze Gold aufwiegen. Ein steigendes Ratio bedeutet: Silber schwächelt gerade stärker als Gold.
Weitere Datenanbieter bestätigten den Trend im Tagesverlauf. Zeitweise weitete sich das Minus binnen 24 Stunden auf rund 1,2 Prozent aus.
Sechstes Defizit in Folge steht bevor
Der kurzfristige Rückgang passt nicht zur fundamentalen Lage. Das Silver Institute erwartet laut seiner aktuellen Silver Survey für das laufende Jahr das sechste jährliche Angebotsdefizit in Folge. Die von Metals Focus erstellte Studie taxiert den Fehlbetrag auf 46,3 Millionen Unzen.
Die Minenproduktion bleibt dabei weitgehend stabil. Das Recycling steigt zwar auf ein Mehrjahreshoch, deckt die Nachfrage aber nicht vollständig ab.
Bei ETFs zeichnet sich ein ruhigeres Jahr ab als 2025. Metals Focus rechnet mit Nettozuflüssen von rund 30 Millionen Unzen. Hinter der moderaten Zahl steckt allerdings ein unruhiger Markt: Die industrielle Nachfrage schwächt sich stellenweise ab, während Privatanleger und börsengehandelte Produkte an Gewicht gewinnen.
Zinsen und Dollar bleiben Preistreiber
Silber zahlt keine Zinsen. Sinken die US-Zinsen, wird das Metall als Anlage attraktiver und der Preis steigt tendenziell. Der Dollarkurs wirkt in die gleiche Richtung: Ein starker Dollar drückt den Silberpreis, ein schwacher treibt ihn an.
Auch geopolitische Entwicklungen und die Konjunktur großer Volkswirtschaften spielen eine Rolle. In den USA und China treibt vor allem die Industrienachfrage den Verbrauch. In Indien bestimmt dagegen die Schmucknachfrage der Verbraucher einen Großteil der Preisbildung.
Strukturelle Anspannung bleibt
Der Tagesverlust ändert nichts am Grundproblem. Silber rutscht trotz stabiler Angebotslage erneut in ein Defizit. Die oberirdischen Bestände schmelzen dadurch seit Jahren weiter ab.
Das macht den Markt anfälliger für plötzliche Ausschläge bei Preis und Liquidität. Rücksetzer wie der von diesem Dienstag dürften angesichts dieser Lage kein Einzelfall bleiben.
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