Silber pendelt zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite steht eine überraschend schwache US-Inflation. Auf der anderen Seite eskaliert die Krise in der Straße von Hormus.
Am Mittwoch fiel der Preis auf rund 58 Dollar je Feinunze. Der Großteil der Vortagesgewinne blieb aber erhalten. Am Dienstag hatte Silber noch bei 58,81 Dollar gelegen, ein Plus von 2,06 Prozent.
Schwache Inflation nährt Zinssenkungshoffnung
Auslöser der Bewegung ist ein deutlicher Rückgang der US-Verbraucherpreise. Die Jahresinflation sank im Juni auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Analysten hatten nur mit 3,8 Prozent gerechnet.
Im Monatsvergleich fielen die Preise sogar um 0,4 Prozent. Das ist der erste monatliche Rückgang seit 2020. Für Silber ist das grundsätzlich ein gutes Signal: Das Metall wirft keine Zinsen ab, schwächere Inflation macht es also relativ attraktiver.
Fed-Chef Kevin Warsh bremste die Euphorie trotzdem. Bei seiner Kongress-Anhörung am Dienstag betonte er das Ziel der Preisstabilität. Eine lockerere Geldpolitik deutete er nicht an.
Die Zinspolitik bleibt damit ein Unsicherheitsfaktor. Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
Iran-Krise treibt die Nachfrage nach sicheren Häfen
Parallel zur Zinsdebatte sorgt der Konflikt zwischen den USA und Iran für Nervosität. Die Ölpreise steigen, die Inflationssorgen bleiben im Blick der Investoren.
Präsident Trump kündigte an, die Blockade gegen iranische Schiffe in der Straße von Hormus wiederherzustellen. Er forderte zudem Entschädigungen von Ländern, die von den US-Sicherheitsbemühungen in der Region profitieren.
Die Lage im Persischen Golf hat sich zuletzt deutlich verschärft. Am Wochenende tauschten US- und iranische Streitkräfte erneut Schläge aus. Am Dienstag flog die US-Armee zusätzliche Luftangriffe und verhängte eine Seeblockade gegen iranische Häfen.
Die Folge: Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist laut Tracking-Daten stark eingebrochen. Das ist keine Nebensache. Durch Hormus laufen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels.
Was den Silberpreis jetzt stützt
Geopolitische Krisen stärken meist die Nachfrage nach Edelmetallen als sicherer Hafen. Silber reagiert wegen seines Doppelcharakters als Industrie- und Anlagemetall aber typischerweise schwächer als Gold. Die anhaltende Unsicherheit trägt trotzdem zur Volatilität bei.
Der Dollar bleibt ein weiterer Faktor. Sollte die Fed unter dem Eindruck der schwachen Inflationsdaten tatsächlich zu Zinssenkungen übergehen, würde ein schwächerer Dollar dem in Dollar notierten Silberpreis zusätzlich Rückenwind geben.
Für den weiteren Kursverlauf bleibt das Zusammenspiel zweier gegenläufiger Kräfte entscheidend. Nachlassende Inflation eröffnet Spielraum für eine lockerere Geldpolitik. Die vorsichtige Kommunikation der Fed unter Warsh dämpft diese Erwartung aber wieder.
Hinzu kommt die Risikoprämie durch die Hormus-Krise. Sie beeinflusst den Ölpreis – und über diesen Umweg auch die Inflationsdynamik, auf die der Silbermarkt gerade so sensibel reagiert.
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