Silber notiert am Mittwoch bei 66,81 US-Dollar je Feinunze und damit nahezu unverändert zum Vortag. Die Marke von 66 Dollar hält damit, obwohl die Eskalation in der Straße von Hormus zuletzt Öl- und Energiepreise nach oben trieb und eigentlich Rückenwind für restriktivere Fed-Politik liefern müsste – ein Umfeld, das Edelmetalle traditionell belastet.

Angriff in der Straße von Hormus als Belastungstest

Anfang September griffen US-Truppen eine Insel in der Straße von Hormus an, der Iran reagierte mit Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien. Die Folge waren steigende Energiekosten und neue Inflationssorgen, die laut Trading Economics die Argumente für eine weitere Zinserhöhung der Fed stärkten.

Genau das drückte Silber Anfang September zunächst auf 64,23 Dollar, ein Tagesminus von 3,44 Prozent. Dass der Preis inzwischen wieder über 66 Dollar steht, deutet darauf hin, dass geopolitische Risikoprämien und die strukturelle Nachfrage nach dem Edelmetall die geldpolitischen Gegenwinde derzeit ausgleichen.

Die Marktteilnehmer blicken zugleich auf die nächste Fed-Sitzung im September. Laut CME FedWatch Tool preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 66 bis 70 Prozent für eine Zinserhöhung noch in diesem Monat ein. Eine straffere Geldpolitik würde die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Silber erhöhen – ein Faktor, der die aktuelle Preisstabilität umso bemerkenswerter macht.

Zwölf-Monats-Bilanz bleibt deutlich positiv

Trotz der jüngsten Schwankungen liegt Silber binnen zwölf Monaten rund 62 Prozent im Plus. Diese Rally begann lange vor der aktuellen Nahost-Eskalation und wurde im August durch die Ankündigung des US-Finanzministeriums befeuert, Liquiditätsunterstützungs-Rückkäufe längerfristiger Anleihen zu verdoppeln – ein Schritt, der den sogenannten Abwertungs-Handel neu belebte und Silber im August um mehr als 15 Prozent zulegen ließ.

Auf der Angebotsseite bleibt die Lage angespannt. Die Minenproduktion stagniert, weil in den vergangenen Jahren zu wenig in neue Förderprojekte investiert wurde – die Vorlaufzeit für neue Silberminen beträgt oft sieben bis zehn Jahre.

Das Silver Institute schätzt die industrielle Nachfrage bis 2030 auf über 700 Millionen Feinunzen jährlich. Bleibt die Minenproduktion auf dem aktuellen Niveau, droht ein anhaltendes strukturelles Defizit, das viele Marktbeobachter als langfristigen Preistreiber werten.

Lagerbestände als Puffer

Ein Stabilitätsfaktor bleiben die COMEX-Lagerbestände. Mitte August lagen dort rund 337,3 Millionen Feinunzen Silber, davon knapp 100 Millionen Unzen als „registered“ unmittelbar lieferbar.

Diese Reserven dämpfen kurzfristige Knappheitssorgen, ändern aber nichts am langfristigen Nachfrageüberhang, den Branchenbeobachter für die kommenden Jahre erwarten. Für Anleger bleibt Silber damit ein Markt, der geopolitische Schocks bislang gut wegsteckt, solange die strukturelle Nachfragegeschichte intakt bleibt.