Zwei Makro-Ereignisse treffen gleichzeitig auf den Silbermarkt — und sie ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Am 13. Mai bestätigte der US-Senat Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden. Parallel dazu empfängt Chinas Staatschef Xi Jinping US-Präsident Trump zu einem zweitägigen Gipfel in Peking.

Warsh gilt als ausgesprochener Verfechter geldpolitischer Disziplin — ein Inflationshawk, der quantitative Lockerung schon in seiner früheren Amtszeit im Fed-Gouverneursrat skeptisch beurteilte. Als seine Nominierung Ende Januar bekannt wurde, brach Spot-Silber an einem einzigen Handelstag um 31,4 Prozent ein, der schlechteste Tagesverlust seit März 1980. Seither hat sich das Metall erholt, doch die geldpolitische Unsicherheit bleibt.

Zinspfad ohne Senkungen

Heiß gelaufene US-Inflationsdaten verschärfen den Ausblick. Erzeugerpreise stiegen so stark wie seit Anfang 2022 nicht mehr, die Verbraucherinflation erreichte den höchsten Stand seit Mai 2023. Laut CME-FedWatch-Daten preisen Händler eine Zinssenkung in diesem Jahr praktisch aus — und sehen eine Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent für eine Zinserhöhung bis April 2027. Morgan Stanley erwartet, dass die Fed bis 2027 unverändert bleibt.

Höhere Zinsen stärken den Dollar. Das verteuert Silber für Käufer außerhalb des Dollarraums und dämpft die globale Nachfrage.

Peking-Gipfel und die Straße von Hormuz

Der Gipfel zwischen Trump und Xi behandelt Handel, Taiwan, Iran, Künstliche Intelligenz und Seltene Erden. Grundlage ist ein temporärer Waffenstillstand aus dem vergangenen Herbst, bei dem beide Seiten die schärfsten Strafzölle und Exportkontrollen aussetzten.

Für den Silbermarkt besonders relevant: die Lage am Persischen Golf. Iran kontrolliert die Straße von Hormuz, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gashandels fließen. Hohe Ölpreise treiben die Inflation — und reduzieren damit den Spielraum der Fed für Zinssenkungen. Ein Signal aus Peking zur Entspannung am Golf könnte diesen Kreislauf unterbrechen.

Industrienachfrage schwächelt

Trotz dieser Belastungen legte Silber am 13. Mai auf 87,88 Dollar je Feinunze zu, ein Tagesplus von 1,54 Prozent. Im Jahresvergleich hat sich der Preis fast verdreifacht.

Weniger beachtet, aber strukturell relevant: Die Photovoltaik-Industrie verbraucht je Solarzelle immer weniger Silber. Laut Metals Focus fiel die PV-Silbernachfrage 2025 um sechs Prozent auf rund 187 Millionen Unzen — für 2026 wird ein weiterer Rückgang um 19 Prozent auf etwa 151 Millionen Unzen erwartet. Die Annahme, dass Solarnachfrage nur steigen kann, ist damit zumindest zu hinterfragen.

Kurzfristig dürfte der Ausgang des Peking-Gipfels — insbesondere konkrete Signale zur Hormuz-Frage — darüber entscheiden, ob Silber seine aktuelle Erholung ausbauen kann oder wieder unter Druck gerät.