Silber Preis: 9,12 Prozent Rutsch auf 77,55 Dollar

Steigende US-Renditen und ein fester Dollar setzen den Silberpreis unter Druck. Trotz anhaltender Angebotsknappheit dominieren kurzfristig makroökonomische Faktoren.

Silber Preis Aktie
Kurz & knapp:
  • Wöchentlicher Silberpreisverlust von 4,1 Prozent
  • Renditeanstieg auf 4,60 Prozent belastet
  • Angebotsknappheit bleibt bestehen
  • Chinesische Silberimporte auf Achtjahreshoch

Silber hat den Glanz der Rally vorerst verloren. Der Preisrutsch zum Wochenschluss zeigt, wie empfindlich das Metall auf steigende Renditen und einen festen Dollar reagiert. Besonders brisant: Fundamentale Knappheit spricht weiter für Silber, der Makro-Druck aber drückt kurzfristig schwerer.

Am Freitag schloss Silber bei 77,55 US-Dollar je Feinunze und verlor damit 9,12 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,10 Prozent. Der Rückschlag trifft einen Markt, der zuvor stark gelaufen war und nun zwischen Zinsangst und Angebotsrisiken pendelt.

Renditen setzen Silber zu

Der wichtigste Belastungsfaktor kommt aus dem Anleihemarkt. Steigende Ölpreise haben die Inflationssorgen neu angefacht und Verkäufe bei Staatsanleihen ausgelöst. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries kletterte auf 4,60 Prozent, während der US-Dollar ebenfalls Stärke zeigte.

Für Silber ist diese Kombination unangenehm. Das Metall wirft keine laufenden Erträge ab. Wenn sichere Anleihen höhere Renditen bieten, sinkt die relative Attraktivität von Edelmetallen. Ein stärkerer Dollar verteuert Silber zudem für Käufer außerhalb des Dollarraums.

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Hinzu kommt ein konjunktureller Schatten. Silber ist nicht nur Edelmetall, sondern auch Industriemetall. Solar- und Elektroniknachfrage bleiben wichtige Stützen, könnten bei dauerhaft hohen Energiekosten und schwächerer Industrieaktivität aber weniger dynamisch ausfallen.

Fundamentale Lage bleibt widersprüchlich

Auf der Angebotsseite ist die Lage weiter angespannt. Die Commerzbank verweist darauf, dass rückläufige Produktion bei Basismetallen die Silberversorgung treffen kann. Der Grund ist simpel: Ein großer Teil des Silbers fällt als Nebenprodukt beim Abbau von Blei und Zink an.

Die Nachfrageseite wirkt dagegen weniger eindeutig. UBS hat die Prognose für die Investitionsnachfrage von über 400 Millionen auf 300 Millionen Unzen gesenkt. Auch das erwartete Angebotsdefizit wurde deutlich reduziert, auf etwa 60 bis 70 Millionen Unzen.

Der Markt bekommt damit ein neues Gleichgewicht eingepreist. Knappheit ist weiter ein Thema, aber nicht mehr in der zuvor erwarteten Schärfe. Genau deshalb reagieren Preise derzeit stärker auf Zinsen, Dollar und Liquidität als auf langfristige Angebotsargumente.

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China bleibt ein Sonderfall. Die Silberimporte lagen zu Jahresbeginn bei über 790 Tonnen in zwei Monaten und damit auf einem Achtjahreshoch. Neue Exportgenehmigungspflichten können die Liquidität am Weltmarkt jedoch zusätzlich verengen und Preisschwankungen verstärken.

Chartmarken werden wichtiger

Technisch ist Silber angeschlagen, aber nicht kollabiert. Der Preis liegt nur leicht über dem 50-Tage-Durchschnitt von 77,13 US-Dollar. Der Abstand zum 100-Tage-Durchschnitt bei 82,73 US-Dollar zeigt dagegen, dass die Erholung erst wieder Arbeit vor sich hat.

Die Marke um 70 US-Dollar gilt nun als wichtige Unterstützung. Auf der Oberseite rückt zunächst der Bereich um 80 US-Dollar in den Blick. UBS hat das Kursziel für das zweite Quartal auf 85 US-Dollar gesenkt, was den gedämpften kurzfristigen Ton im Markt unterstreicht.

Für die neue Woche zählt vor allem, ob Silber die Nähe zum 50-Tage-Durchschnitt stabilisieren kann. Ein Rückfall unter die genannte Unterstützung würde den Abwärtsdruck verlängern. Ein Sprung über 80 US-Dollar wäre dagegen das erste Signal, dass der Ausverkauf vom Freitag nicht in einen breiteren Trend übergeht.

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