Silber verliert am Donnerstag deutlich an Boden. Der Preis rutscht unter die psychologisch wichtige 60-Dollar-Marke und vertieft die Konsolidierung. Grund sind steigende US-Anleiherenditen und geldpolitische Signale aus Europa. Im Vormittagshandel fiel der Preis um rund 1,7 Prozent auf 58,70 bis 58,90 US-Dollar je Feinunze.
Noch zur Wochenmitte hatte das Edelmetall Kurs auf neue Jahreshöchststände genommen. Jetzt bremsen makroökonomische Daten den Aufwärtstrend.
Strukturelles Defizit stützt den Preis
Trotz der Gewinnmitnahmen bleibt das fundamentale Bild für Silber angespannt. Der globale Markt steuert 2026 auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Das zeigen aktuelle Daten des Silver Institute und von Metals Focus.
Die erwartete Angebotslücke soll 46,3 Millionen Unzen erreichen. Das wäre ein Anstieg von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Gesamtangebot inklusive Recycling sinkt dagegen leicht auf etwa 1.066,4 Millionen Unzen.
Die Nachfrage bleibt trotz Effizienzgewinnen in der Industrie hoch. Besonders die physische Investmentnachfrage wirkt stabilisierend: Sie soll 227 Millionen Unzen erreichen. Diese Nachfrage federt stärkere Abverkäufe ab.
EZB und US-Arbeitsmarkt bremsen die Rally
Der aktuelle Verkaufsdruck kommt vor allem aus dem Zinsumfeld. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins am Donnerstag bei 2,25 Prozent belassen. Damit dämpft sie Hoffnungen auf eine schnelle Lockerung.
Zusätzlich sorgten robuste US-Arbeitsmarktdaten für Unruhe. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken überraschend auf 187.000. Das nährt die Sorge, dass die US-Notenbank Fed ihren restriktiven Kurs länger durchhält als erwartet.
Als Folge stieg die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf 4,714 Prozent. Silber wirft keine Zinsen ab. Bei steigenden Realzinsen verliert das Metall deshalb an Attraktivität gegenüber festverzinslichen Papieren. Die robusten Daten stützten zudem den US-Dollar — das macht Silber für internationale Käufer teurer.
Geopolitische Risiken bremsen den Fall
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten begrenzten den Preisverfall am Donnerstag. Berichte über ein maritimes Embargo der Huthi-Rebellen gegen Saudi-Arabien halten die Risikoprämie im Rohstoffsektor hoch. Auch militärische Auseinandersetzungen im Bereich der Straße von Hormus sorgen für Nervosität.
Silber gilt neben seiner industriellen Rolle weiterhin als sicherer Hafen. Diese Funktion verhinderte am Donnerstag einen Absturz unter die technische Unterstützung bei 57 US-Dollar.
Charttechnik ohne klare Richtung
Das Chartbild zeigt aktuell keine klare Tendenz. Nach dem massiven Anstieg im Januar 2026 mit einem Rekordhoch über 121 US-Dollar befindet sich Silber in einer langfristigen Korrektur.
Der Handelstag bildete auf dem Tageschart zeitweise einen „Doji“. Das Muster deutet auf einen harten Kampf zwischen Käufern und Verkäufern hin.
Die Zone zwischen 59,95 und 60,00 US-Dollar bleibt ein massiver Widerstand. Das Niveau um 57,00 US-Dollar dient als kurzfristige Auffanglinie. Marktbeobachter richten den Blick nun auf zwei Szenarien: Gelingt aus der Konsolidierung ein Ausbruch Richtung des Fibonacci-Ziels bei etwa 68 US-Dollar? Oder drückt die straffe Geldpolitik den Preis weiter Richtung 55 US-Dollar?
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