Silber steckt in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld. Die Solarindustrie spart immer mehr Metall ein, während geopolitische Risiken und starke Investmentkäufe den Preis stützen. Am Freitag notierte Silber bei 75,87 USD je Feinunze, ein Plus von 0,37 Prozent.
Der Markt bekommt damit Gegenwind aus genau dem Sektor, der lange als Wachstumsmotor galt. Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp. Genau diese Mischung macht den Silberpreis derzeit so schwer berechenbar.
Solarbranche spart Silber ein
Der wichtigste Belastungsfaktor kommt aus der Photovoltaik. Die Nachfrage der PV-Branche nach Silber sank 2025 um 6 Prozent auf 186,6 Millionen Unzen. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang um 19 Prozent erwartet.
Der Grund ist klar: Silber ist teuer geworden. Hersteller reduzieren deshalb den Anteil pro Zelle und testen alternative Metallisierungsverfahren. Das Ziel: niedrigere Kosten pro Modul.
Silberpaste steht inzwischen für rund 10 bis 20 Prozent der Kosten einer Solarzelle. Für Produzenten ist das ein Problem, weil sie ohnehin mit Überkapazitäten kämpfen. Sinkende Modulpreise drücken zusätzlich auf die Margen.
Andere Industriebereiche können diesen Rückgang bisher nicht ausgleichen. Dazu zählen KI-Rechenzentren, schnelle Dateninfrastruktur, Elektrofahrzeuge und Ladepunkte. Die Folge: Der strukturelle Rückenwind aus der Industrie fällt schwächer aus.
Nahost bleibt ein Preistreiber
Der zweite große Faktor liegt im Nahen Osten. Silber stieg zuletzt wieder über 74 USD je Unze, weil der Markt neue Friedenssignale abwog. Laut Axios haben sich US-amerikanische und iranische Unterhändler auf ein 60-tägiges Memorandum of Understanding verständigt.
Dieses Papier soll den Waffenstillstand verlängern und Gespräche über das iranische Atomprogramm ermöglichen. Die endgültige Zustimmung von Präsident Trump steht aber noch aus. Kein Wunder, dass der Markt nervös bleibt.
Trotz der Erholung liegt Silber fast 20 Prozent unter den Niveaus vom Beginn des Konflikts. Der Grund liegt nicht nur in der Geopolitik selbst. Höhere Energiepreise halten Inflationssorgen wach und erschweren Zinssenkungen.
Fed-Vertreter senden entsprechend vorsichtige Signale. Lisa Cook sprach sich für stabile Zinsen aus, ließ aber Zinserhöhungen bei neuer Inflation offen. John Williams warnte, die Teuerung könne kurzfristig auf 4 Prozent steigen.
Investmentkäufe und Defizit stützen
Auf der Gegenseite steht eine robuste Investmentnachfrage. Die physische Nachfrage nach Münzen und Barren stieg 2025 um 14 Prozent auf 217,7 Millionen Unzen. Besonders stark lief der Markt in Indien, Ostasien und dem Nahen Osten.
ETF-Zuflüsse verstärken diesen Effekt. Die Bestände legten in diesem Jahr um 187 Millionen Unzen zu. Anleger reagieren damit auf Sorgen über Stagflation, Staatsverschuldung, den Dollar und geopolitische Risiken.
Der fundamentale Rahmen bleibt eng. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein sechstes Defizit in Folge von 46,3 Millionen Unzen. Der Markt muss also weiter auf oberirdische Lagerbestände zurückgreifen.
Die Minenproduktion lag 2025 bei rund 813 Millionen Unzen. Für 2026 bewegt sie sich in Richtung 820 Millionen Unzen. Das Angebot kann aber nur langsam reagieren.
Ein wichtiger Grund: Rund 70 Prozent des Silbers entsteht als Nebenprodukt in Gold-, Kupfer- und Zinkminen. Selbst hohe Preise führen daher nicht automatisch zu deutlich mehr Förderung. Das begrenzt die Entlastung auf der Angebotsseite.
J.P. Morgan Global Research rechnet für 2026 mit einem durchschnittlichen Silberpreis von 81 USD je Unze. Kurzfristig bleibt der Markt damit zwischen zwei Kräften gefangen: sinkender Solarnachfrage und einem knappen physischen Angebot. Genau dort liegt der Kern der aktuellen Volatilität.
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