Ein Arbeitskonflikt in einer bedeutenden mexikanischen Mine lenkt die Aufmerksamkeit am Edelmetallmarkt wieder auf die Angebotsseite. Beim Bergbaukonzern First Majestic Silver führte ein Arbeitsstillstand in der San-Dimas-Mine zu deutlichen Produktionseinbußen.

Der seit dem 18. September schwelende Konflikt mündete am 8. Oktober in einen formellen Streik, wie Medienberichten zu entnehmen ist. Eine Wiederaufnahme des Betriebs war bis zum 12. Oktober nicht angekündigt.

Die Folgen für die Ausbeute machten sich bereits im abgelaufenen Jahresviertel bemerkbar. First Majestic meldete für das dritte Quartal eine Silberproduktion von 859.869 Unzen auf San Dimas. Das entspricht einem Rückgang um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Marktdefizit und Lagerbestände im Blick

Der operative Ausfall trifft auf ein ohnehin angespanntes globales Gleichgewicht. Nach Schätzungen des Silver Institute und des Analysehauses Metals Focus steht dem Weltmarkt im Jahr 2026 ein Angebotsdefizit bevor.

Die Organisationen prognostizieren ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen, nachdem im Jahr 2025 bereits eine Lücke von 40,3 Millionen Unzen verzeichnet worden war. Die weltweite Minenproduktion soll dabei weitgehend unverändert bleiben, was Störungen einzelner Förderstätten zusätzliches Gewicht verleiht.

Auf der Handelsseite zeigt sich das physische Angebot dagegen kurzfristig gut gefüllt. Die Bestände in den Tresoren der London Bullion Market Association stiegen zum Ende des dritten Quartals moderat an. Laut Verband beliefen sich die Londoner Bestände auf 28.985 Tonnen Silber, was einem Zuwachs von 3,22 Prozent im Vergleich zum Vorquartal entspricht.

Zinsausblick bleibt taktischer Taktgeber

Am Terminmarkt spiegeln sich die fundamentalen Engpässe bisher nur begrenzt wider. Der COMEX-Front-Month-Kontrakt beendete die Handelswoche am Freitag bei 57,13 US-Dollar je Feinunze. Seit Jahresanfang verzeichnet das Edelmetall einen Rückgang um 19 Prozent. Ausgehend von diesem Niveau notiert Silber zudem 53 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Neben den physischen Daten bestimmt vor allem die Geldpolitik die Richtung. Nachdem die US-Verbraucherpreise im September das Zinssenkungstempo dämpften, richtet sich der Blick der Anleger auf die US-Notenbank Federal Reserve. Das nächste Treffen des Offenmarktausschusses findet am 27. und 28. Oktober statt. Dessen Zinsentscheid dürfte darüber entscheiden, ob die Unterstützung durch knappe Minenkapazitäten für eine nachhaltige Stabilisierung ausreicht.