Die Industrie saugt den Markt leer. Jedes Solarpanel und jedes Elektroauto verbraucht das Edelmetall unwiederbringlich. Trotz dieses fundamentalen Mangels bricht der Preis massiv ein. Makroökonomische Ängste überlagern derzeit jede physische Nachfrage.

Am Freitag schloss die Feinunze bei 59,69 US-Dollar. Das entspricht zwar einem Tagesplus von gut drei Prozent. Auf Monatssicht verzeichnet das Edelmetall jedoch einen Verlust von über 20 Prozent. Damit notiert Silber mittlerweile mehr als die Hälfte unter seinem Rekordhoch aus dem Januar.

Die US-Notenbank diktiert den Preis

Das Hauptproblem für Silberanleger ist die amerikanische Geldpolitik. Die Inflation kletterte im Mai auf 4,2 Prozent. Deshalb debattieren die US-Notenbanker offen über neue Zinsschritte nach oben für das zweite Halbjahr 2026. Höhere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Silber unattraktiv.

Die Märkte haben ihre Erwartungen bereits angepasst. Händler preisen aktuell drei Zinsanhebungen für dieses Jahr ein. Die Wahrscheinlichkeit für eine erste Erhöhung im September taxiert der Markt auf 62 Prozent.

Defizit gegen Zinsangst

Unabhängig vom Kursrutsch bleibt die physische Versorgungslage extrem angespannt. Im Jahr 2026 verbraucht die Welt im sechsten Jahr in Folge mehr Silber als Minen fördern. Die Folge: Die Förderung hinkt hinterher. Silber fällt meist nur als Nebenprodukt beim Kupfer- und Zinkabbau an.

Entsprechend weit driften die Prognosen der Großbanken auseinander. J.P. Morgan rechnet für 2026 mit einem Jahresdurchschnitt von 81 US-Dollar je Feinunze. TD Securities erwartet dagegen einen Rückgang auf 44 US-Dollar. Letzteres Szenario setzt einen schweren wirtschaftlichen Einbruch voraus.

Die Woche der Wahrheit

Neue Impulse liefert der vollgepackte Makro-Kalender der kommenden Tage. Am Mittwoch spricht Fed-Chef Kevin Warsh in Portugal über das europäische Wirtschaftsumfeld. Einen Tag später veröffentlicht das Bureau of Labor Statistics den US-Arbeitsmarktbericht für Juni. Analysten erwarten 172.000 neue Stellen. Fallen diese Zahlen stärker aus als gedacht, dürfte der Druck auf den Silberpreis weiter steigen.