Eigentlich müsste Silber in Kriegszeiten glänzen. Diese Woche tat das Edelmetall genau das Gegenteil. Während US-Angriffe auf iranische Ziele und Teherans Vergeltungsschläge die Ölpreise nach oben trieben, rutschte der Silberpreis unter die Marke von 56 Dollar je Unze.

Der Grund liegt nicht im Nahen Osten selbst, sondern in seiner Wirkung auf die Zinserwartungen. Höhere Ölpreise schüren Inflationssorgen. Das wiederum stärkt die Annahme, dass die US-Notenbank ihre Zinsen länger hochhält als gedacht – schlechte Nachrichten für ein Edelmetall, das keine Zinsen abwirft.

Wenn Krisenangst zur Zinsangst wird

Auslöser der Eskalation waren neue US-Angriffe auf iranische Militärziele. Der Iran reagierte mit Attacken auf US-Stützpunkte in Nachbarländern. Präsident Trump warnte zudem, dass die USA als nächstes iranische Infrastruktur ins Visier nehmen könnten, sollte die Diplomatie scheitern.

Normalerweise treibt genau ein solches Szenario Anleger in sichere Häfen wie Silber. Diesmal überlagerte die Zinsseite den klassischen Krisenreflex. Die Sorge vor dauerhaft hohen Ölpreisen wiegt schwerer als die Sorge vor geopolitischer Unsicherheit.

Auf Wochensicht steht ein Verlust von 6,70 Prozent zu Buche, der Kurs schloss am Freitag bei 56,22 Dollar. Der Wert liegt damit 16,36 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 67,22 Dollar – ein deutliches Zeichen, wie stark sich der Abwärtstrend zuletzt beschleunigt hat.

Fed-Politik bleibt der zweite Belastungsfaktor

Parallel zur geopolitischen Krise treibt die Zinspolitik der US-Notenbank die Kurse. Händler taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September derzeit auf rund 51 Prozent. Schwächere US-Inflationsdaten hatten zuvor eine Erhöhung im Juli praktisch ausgeschlossen.

Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte trotzdem sein Engagement für Preisstabilität. Diese Kombination aus geopolitischem Risiko und restriktiver Geldpolitik erklärt, warum Silber trotz seines Rufs als Krisenwährung unter Druck bleibt. Anleger weichen stattdessen auf renditetragende Alternativen aus.

Der RSI von 34,6 signalisiert eine überverkaufte Situation – der Markt hat also bereits viel Pessimismus eingepreist. Ob das für eine Gegenbewegung reicht, hängt von den nächsten Entwicklungen im Nahen Osten ab.

Zwei Fragen entscheiden die kommende Woche

Für die anstehenden Handelstage rücken zwei Faktoren in den Vordergrund. Zum einen die Frage, ob die USA tatsächlich iranische Infrastruktur angreifen oder ob diplomatische Bemühungen eine weitere Eskalation verhindern. Zum anderen, ob sich die zuletzt schwächeren US-Inflationsdaten bestätigen und damit die Zinserwartungen dämpfen.

Entspannt sich die Lage im Nahen Osten, dürfte der Druck auf die Ölpreise nachlassen. Das könnte auch die Zinserwartungen bremsen und Silber Auftrieb verleihen. Hält die Eskalation dagegen an oder verschärft sich weiter, bleibt die Kombination aus hohen Energiepreisen und straffer Notenbankpolitik eine Belastung für das Edelmetall.