Uran im Rampenlicht, Ölpreise im Höhenrausch — Gold und Silber unter Zinsdruck

Die Blockade der Straße von Hormuz treibt die Ölpreise auf neue Höhen, während Gold und Silber unter Zinserwartungen leiden. Uran profitiert von der Energiesicherheitsdebatte.

Gold Aktie
Kurz & knapp:
  • Brent Crude über 120 Dollar
  • VAE-Austritt aus der OPEC
  • Gold fällt unter 4.600 Dollar
  • IAEA-Enthüllung zu Irans Uran

Ein einziger Seekorridor bestimmt gerade den Takt an den Rohstoffmärkten. Die Blockade der Straße von Hormuz hat nach Einschätzung der IEA rund 12 Prozent des globalen Ölangebots lahmgelegt — eine größere Störung als während des Jom-Kippur-Kriegs oder der Invasion Kuwaits. Gleichzeitig sorgt eine IAEA-Enthüllung über Irans Uranvorräte für neue Unruhe. Und ausgerechnet in diesem Moment verliert die OPEC mit den Vereinigten Arabischen Emiraten einen ihrer wichtigsten Produzenten.

Brent Crude: Über 120 Dollar nach dem OPEC-Bruch

Brent-Futures schossen gestern um mehr als 7 Prozent auf rund 120 Dollar je Barrel — das höchste Niveau seit Juni 2022. Die Kombination aus gesperrter Hormuz-Passage und dem angekündigten VAE-Austritt aus der OPEC zum 1. Mai treibt die Preise in bisher kaum für möglich gehaltene Regionen.

Der unmittelbare Preiseffekt des VAE-Austritts fällt angesichts der Hormuz-Krise kaum ins Gewicht. Strukturell verliert das Kartell allerdings seinen dritt- bzw. viertgrößten Produzenten. Saudi-Arabien steht künftig noch stärker im Zentrum — ein Klumpenrisiko für die gesamte Angebotssteuerung.

Die extreme Backwardation am Brent-Markt spiegelt die kurzfristige Verknappung wider: Anfang April lag der Dated-Brent-Spotpreis mehr als 25 Dollar über dem Front-Month-Future. Goldman Sachs reagierte und hob die Brent-Prognose für das vierte Quartal auf 90 Dollar an. US-Lagerdaten zeigten zuletzt deutliche Rückgänge bei Rohöl- und Kraftstoffvorräten, während die amerikanischen Exporte auf Rekordniveaus von über sechs Millionen Barrel pro Tag kletterten.

Rohöl WTI: Käufer kehren mit Überzeugung zurück

Auch die US-Sorte WTI legte gestern kräftig zu — ein Plus von fast 7 Prozent auf 106,88 Dollar je Barrel. Vom jüngsten Tief bei rund 84 Dollar hat sich der Preis damit deutlich gelöst. Marktteilnehmer beobachten heute eine Bewegung in Richtung der 109-Dollar-Marke.

Die Dynamik speist sich aus denselben Quellen wie bei Brent. Die Hormuz-Blockade hat rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen gestoppt. Analysten betonen: Solange der Tankerverkehr durch die Meerenge nicht wieder sicher ist, bleibt OPECs Fähigkeit zur Preisstabilisierung stark eingeschränkt. US-Produzenten gewinnen in diesem Vakuum überproportional an Einfluss.

Ein diplomatischer Hoffnungsschimmer flackerte vergangene Woche kurz auf. Pakistan kündigte eine zweite Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran an, und Trump entsandte zwei Gesandte nach Pakistan. Die Ölpreise gaben daraufhin am Freitag vorübergehend nach. Vermittler erwarten morgen einen überarbeiteten iranischen Friedensvorschlag. Selbst bei einem Durchbruch dürfte die Rückkehr zu Vorkriegs-Produktionsniveaus aber bis zu sechs Monate dauern.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gold?

Gold: Unter 4.600 Dollar trotz Krisenmodus

Was auf den ersten Blick paradox wirkt, hat eine klare Ursache: Gold fiel gestern auf 4.523 Dollar je Feinunze — ein Tagesrückgang von 1,6 Prozent. Obwohl geopolitische Krisen normalerweise dem sicheren Hafen zugutekommen, drückt der wachsende Zinserhöhungsdruck auf das nicht verzinsliche Edelmetall.

Die US-Notenbank ließ ihre Geldpolitik wie erwartet unverändert. Vier Fed-Mitglieder widersprachen allerdings — ein deutliches Zeichen für die internen Spannungen über den künftigen Kurs angesichts des Iran-Konflikts. Anleger preisen zunehmend ein, dass die Zentralbanken die Zinsen länger hoch halten oder sogar weiter anheben könnten. Die steigenden Energiepreise verschärfen den Inflationsdruck und machen Zinssenkungen unwahrscheinlicher.

Der Rückgang relativiert sich im größeren Bild: Gold notiert immer noch gut 38 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das Allzeithoch von 5.595 Dollar stammt vom 29. Januar dieses Jahres. Beide großen US-Investmentbanken bleiben bullish:

  • Goldman Sachs bekräftigt sein Kursziel von 5.400 Dollar bis Jahresende — trotz des Einbruchs im März um mehr als 10 Prozent, dem stärksten Monatsverlust seit Juni 2013.
  • J.P. Morgan geht noch weiter und prognostiziert einen Anstieg auf 6.000 bis 6.300 Dollar je Feinunze bis Ende 2026.

Ein möglicher Fed-Lockerungszyklus im Jahresverlauf könnte die Realzinsen senken und Gold neuen Rückenwind geben.

Silber: Strukturelles Defizit prallt auf technische Schwäche

Der Silberpreis notiert heute bei 73,68 Dollar pro Unze — rund 40 Prozent unter dem Allzeithoch von 121,64 Dollar im Januar. Gestern rutschte das Metall auf 71,73 Dollar ab, ein Minus von knapp 1,8 Prozent. Die technische Lage trübt sich ein: Silber handelt unter dem 50er- und dem 200er-EMA, und die Unterstützung bei 74,76 Dollar wurde aufgegeben.

Fundamentaldaten und Kursentwicklung klaffen auseinander. Für 2026 zeichnet sich das sechste Defizitjahr in Folge ab. Die Schätzungen divergieren allerdings erheblich: Das Silver Institute beziffert den Fehlbetrag auf 46,3 Millionen Unzen, HSBC sieht die Lücke bei rund 126 Millionen Unzen. Die industrielle Nachfrage bleibt das tragende Fundament:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gold?

  • Rund 50 Prozent der globalen Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen
  • Die Photovoltaik-Branche allein verbraucht jährlich über 230 Millionen Unzen
  • Elektronik und Medizintechnik sorgen für zusätzlichen strukturellen Bedarf

Wie bei Gold lastet der Zinsdruck schwer auf dem Edelmetall. Steigende Anleiherenditen machen nicht verzinsliche Anlagen weniger attraktiv — und solange die Fed keine Entwarnung gibt, bleibt dieser Gegenwind bestehen.

Uran: IAEA-Bericht zu Isfahan heizt Energiesicherheits-Debatte an

Bei 87 Dollar je Pfund bewegt sich Uran in einem anderen Gravitationsfeld als die übrigen Rohstoffe. Das Plus von knapp 4 Prozent im vergangenen Monat und fast 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr verdankt es weniger der Hormuz-Krise als einer grundlegenden strategischen Neubewertung von Kernenergie.

IAEA-Chef Rafael Grossi enthüllte diese Woche brisante Details: Etwa die Hälfte von Irans geschätztem Vorrat an hoch angereichertem Uran — insgesamt rund 972 Pfund — lagert demnach noch immer in der Nuklearanlage Isfahan. Das Material ist auf bis zu 60 Prozent angereichert, knapp unterhalb des waffenfähigen Niveaus von 90 Prozent. Trumps wiederholte Behauptung, die Angriffe hätten Irans Atomprogramm „vernichtet“, steht damit im direkten Widerspruch zu den Satellitenbildern der IAEA.

Nach dem kurzen Ausflug über die 100-Dollar-Marke Anfang des Jahres hat der Spotpreis eine Konsolidierungsphase durchlaufen. Experten sehen darin eine gesunde Atempause in einem langfristigen Bullenmarkt. Die Nachfragetreiber wirken unabhängig vom Ölmarkt:

  • Meta unterzeichnete Vereinbarungen für bis zu 7,8 Gigawatt Nuklearkapazität
  • Microsoft sicherte sich Verträge über mehr als 800 Megawatt für KI-Rechenzentren
  • Zahlreiche Investmentbanken halten Preise zwischen 110 und 130 Dollar je Pfund für realistisch

Kernkraft wird zunehmend als unverzichtbar betrachtet — für die steigende Stromnachfrage, die Versorgung von KI-Infrastruktur und das Erreichen langfristiger Klimaziele.

Diplomatie als Schlüssel für den gesamten Rohstoffsektor

Fünf Rohstoffe, ein gemeinsamer Nenner: der Ausgang der US-Iran-Verhandlungen. Morgen wird der überarbeitete iranische Friedensvorschlag erwartet. Die Reaktionen dürften je nach Marktsegment unterschiedlich ausfallen. Öl reagiert am direktesten auf jede Entspannung, Gold und Silber brauchen zusätzlich geldpolitische Signale, und Uran folgt einer eigenen Logik — die IAEA-Enthüllung und die globale Energiesicherheitsdebatte treiben den Preis unabhängig davon, ob ein Friedensabkommen zustande kommt.

Der VAE-Austritt aus der OPEC dürfte die Angebotsdynamik am Ölmarkt erst ab 2027 spürbar verändern. Kurzfristig bleibt die Hormuz-Blockade der bestimmende Faktor. Für Gold und Silber richtet sich der Blick auf die nächsten Fed-Sitzungen: Jedes Signal in Richtung Zinspause würde den Edelmetallen sofort Luft verschaffen. Der Rohstoffmarkt bleibt tief gespalten — und die nächsten Tage könnten über die Richtung für Monate entscheiden.

Gold: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gold-Analyse vom 30. April liefert die Antwort:

Die neusten Gold-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gold-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gold: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gold

Gold Jahresrendite