Vulcan Energy Resources hat den zivilen Bau seines Geothermie- und Lithiumprojekts Lionheart in Landau aufgenommen. Das australische Unternehmen errichtet auf einer zehn Hektar großen Fläche im Messegelände Südost ein 30-Megawatt-Kraftwerk, das im Oberrheingraben sowohl Strom und Wärme erzeugen als auch Lithium aus geothermaler Sole gewinnen soll. Nach Unternehmensangaben sind die ersten Betonfundamente bereits gegossen, die nächsten Bauphasen umfassen die Gebäudeerrichtung und die Montage der Anlagentechnik.

Konzernchef Cris Moreno erklärte, das Projekt liege im Zeit- und Budgetplan. Die Anlage soll jährlich 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren – nach Unternehmensangaben genug für rund 500.000 Elektrofahrzeugbatterien – sowie 275 Gigawattstunden Strom und 560 Gigawattstunden Wärme liefern, ausgelegt auf eine Laufzeit von 30 Jahren. Für die Lithiumgewinnung setzt Vulcan auf die eigene VULSORB-Technologie zur direkten Lithiumextraktion in Kombination mit einem Organic-Rankine-Cycle-Kraftwerk.

Milliardenfinanzierung und namhafte Abnehmer

Die erste Ausbauphase von Lionheart ist mit rund 2,2 Milliarden Euro veranschlagt, darunter 250 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank. Auf der Abnehmerseite hat sich Vulcan bereits Verträge mit Volkswagen, Stellantis, Renault, Umicore und LG Energy Solution gesichert. Die erste Lithiumproduktion aus Landau ist für 2028 vorgesehen. Damit positioniert sich das Unternehmen als einer der wenigen Anbieter, die Lithiumgewinnung direkt mit der Erzeugung von Geothermie-Strom und -Wärme koppeln – ein Modell, das auch beim kalifornischen Salton-Sea-Projekt Hell’s Kitchen von Controlled Thermal Resources verfolgt wird, dort allerdings in deutlich größerem Maßstab mit einem für 2026 geplanten Börsengang über eine SPAC-Fusion im Volumen von 4,7 Milliarden US-Dollar.

Der Baustart markiert für Vulcan einen sichtbaren Fortschritt nach Jahren der Planung und Finanzierung. Anders als viele Lithium-Explorationsunternehmen, die noch mit Bohrergebnissen und Scoping-Studien beschäftigt sind, bewegt sich Vulcan nun in der operativen Umsetzung eines konkreten Industrieprojekts. Das unterscheidet das Unternehmen von der breiten Riege australischer Lithiumwerte, die aktuell überwiegend Explorationsfortschritte vermelden.

Kurs bleibt unter Druck

Der operative Fortschritt hat sich bislang nicht in der Kursentwicklung niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,61 Euro und verlor damit binnen 30 Tagen mehr als 13 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 37 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Rückgang bei knapp 30 Prozent. Damit notiert das Papier nur noch hauchdünn über seinem 52-Wochen-Tief von 1,60 Euro und weit entfernt vom Jahreshoch von 3,98 Euro, das im Oktober markiert wurde.

Der Relative-Stärke-Index von 29,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, was auf anhaltend schwachen Anlegerdruck trotz operativer Fortschritte hindeutet. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei umgerechnet rund 760 Millionen Euro. Anleger scheinen die milliardenschwere Kapitalbindung des Projekts und den langen Zeithorizont bis zur ersten Produktion 2028 stärker zu gewichten als den nun sichtbaren Baufortschritt vor Ort.

Für Vulcan Energy bleibt die Herausforderung damit zweigeteilt: Operativ muss das Unternehmen zeigen, dass es Lionheart tatsächlich im veranschlagten Kosten- und Zeitrahmen fertigstellt. An der Börse wird sich zeigen müssen, ob konkrete Baufortschritte ausreichen, um das seit Monaten anhaltende Vertrauensdefizit der Anleger zu adressieren.