Ein Auftragsboom aus US-Rechenzentren verändert die Wachstumsaussichten von 2G Energy spürbar. Das Unternehmen aus Heek rechnet nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz von bis zu 490 Millionen Euro – zuvor hatte das Management diese Marke lediglich als oberes Ende einer Spanne von 440 bis 490 Millionen Euro genannt. Für 2027 stellt der Vorstand einen Umsatz zwischen 570 und 620 Millionen Euro sowie eine EBIT-Marge von über 11 Prozent in Aussicht.

Rekord-Auftragseingang aus dem US-Geschäft

Grundlage der optimistischeren Ziele ist ein Auftragseingang, der die bisherigen Dimensionen des Unternehmens sprengt. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte 2G Energy Bestellungen im Volumen von 422,4 Millionen Euro – nahezu das Siebenfache des Vorjahreswerts von 61,0 Millionen Euro. Haupttreiber ist das Neugeschäft mit Betreibern von Rechenzentren in den USA, die zunehmend auf dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungstechnik setzen. Der Vorstand bestätigte zudem einen strategischen Durchbruch im nordamerikanischen Markt für wasserstofffähige KWK-Anlagen und meldete parallel gewonnene Projekte im Bereich öffentlicher Infrastruktur. Damit stützt sich das Wachstum nicht allein auf ein einzelnes Kundensegment, sondern verteilt sich auf mehrere Standbeine.

Für Anleger bedeutet dieser Auftragsschub zunächst vor allem sichtbare Visibilität für die kommenden Jahre – ob und wie schnell sich die Bestellungen in Umsatz und Ergebnis niederschlagen, hängt von der Abarbeitung der Projekte ab. Genau hier setzen die neuen Zielmarken für 2026 und 2027 an, die das Management aus der aktuellen Auftragslage ableitet.

Rückenwind aus Brüssel und Berlin

Auch regulatorisch bekommt das Geschäftsmodell Unterstützung. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs stufte Förderungen nach dem deutschen Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz nicht als staatliche Beihilfe ein – eine Klarstellung, die Investitionshürden für Kunden von 2G Energy in Deutschland senken dürfte. Parallel bereitet die Bundesregierung eine Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes vor, die für den Herbst 2026 erwartet wird und eine Anschlussförderung für wasserstofffähige Bestandsanlagen bis in die 2030er Jahre vorsieht. Für ein Unternehmen, dessen jüngste Wachstumsstory stark auf wasserstofffähige Technik setzt, wäre das ein zusätzlicher Planungsanker im europäischen Kerngeschäft, während in den USA das Rechenzentrumsgeschäft für Dynamik sorgt.

Insiderkauf und offene Bilanztermine

Vertrauen in die eigene Aktie zeigte zuletzt auch die Führungsebene: CEO Pablo Hofelich erwarb Anfang Juli Aktien im Gesamtwert von rund 65.000 Euro. Gleichzeitig verzögert sich die Veröffentlichung des Konzernjahresabschlusses 2025 sowie des Halbjahresberichts 2026 – das Unternehmen begründet dies mit der laufenden Umstellung auf ein neues ERP-System. Anleger müssen sich daher noch bis zur für den 29. September angekündigten Veröffentlichung vorläufiger Kennzahlen für das erste Halbjahr 2026 gedulden. Zuvor findet am 19. August die ordentliche Hauptversammlung im Tobit Atrium in Ahaus statt.

An der Börse hat die Aktie die operative Dynamik längst honoriert, notiert aber nach der jüngsten Konsolidierung mit 58,20 Euro rund ein Viertel unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Kurs legte am Donnerstag um 1,66 Prozent zu, bleibt seit Jahresbeginn mit einem Plus von 65,58 Prozent aber einer der stärkeren Werte im Nebenwertesegment. Die Diskrepanz zwischen der abwartenden Kursreaktion der vergangenen Wochen und den kräftig angehobenen Zielen für 2026 und 2027 dürfte sich erst mit den nächsten belastbaren Zahlen auflösen – spätestens mit den vorläufigen Halbjahreswerten im September wird sich zeigen, wie viel vom Auftragsboom bereits in konkreten Umsatz übersetzt wurde.