Liebe Traderinnen und Trader,
die SAP-Aktie hat den Erfolg ihrer Quartalszahlen bereits vorweggenommen. SAP legt die Zahlen heute nach 22 Uhr unserer Zeit vor. Seit Anfang Juli hat das Papier 43 Prozent zugelegt und notiert mit rund 208 Euro praktisch am durchschnittlichen Kursziel der Analysten.
Adidas und Deutsche Börse haben am Mittwoch vorgeführt, was passiert, wenn starke Zahlen auf hohe Erwartungen treffen. Dazu kommen eine KI-Erholung bei Siemens Energy und Infineon sowie Rheinmetall, das an der 1.000-Euro-Marke kämpft.
SAP: Die Latte liegt beim Cloud-Auftragsbestand, nicht beim Gewinn
Die Erwartungen sind klar umrissen. Analysten rechnen für das dritte Quartal mit einem Umsatz von 10,13 Milliarden Euro nach 9,08 Milliarden im Vorjahr. Beim Gewinn je Aktie liegen die Schätzungen zwischen 1,81 und 1,87 Euro, nach 1,59 Euro vor einem Jahr.
Entscheidend ist aber das Cloud-Wachstum: Erwartet werden 24 bis 25 Prozent, nachdem es im zweiten Quartal noch 26 Prozent waren. UBS hält die Aktie mit Kursziel 201 Euro nur auf Neutral und erwartet eine Verlangsamung beim kurzfristigen Cloud-Vertragsbestand. Morgan Stanley steht mit Overweight und Ziel 215 Euro auf der anderen Seite, der Konsens liegt bei 213 Euro.
SAP hat im Tagesverlauf die Widerstandszone zwischen 200 und 203 Euro verlassen und liegt bei 208,45 Euro, 2,6 Prozent über Vortag. Das Tageshoch lag bei 208,80 Euro. Wer die Zahlen hält, sollte wissen: Mit 10,7 Prozent Indexgewicht entscheidet SAP morgen über die DAX-Richtung mit.
Meine Lesart: Der Kurs steht nach dem Lauf von 14 Prozent in 30 Tagen bereits am Konsens-Kursziel, deshalb reicht ein Gewinn-Beat nicht mehr, nur ein beschleunigtes Cloud-Wachstum rechtfertigt neue Höchststände über 215 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 242 Euro aus dem Oktober 2025 ist weit, das Tief von 127,52 Euro vom Juli zeigt, wie tief Enttäuschungen bei SAP gehen können. Erste Auffangzone nach unten ist die eben überwundene Zone um 200 bis 203 Euro.
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Adidas und Deutsche Börse: Zwei Lehrstücke über „gut ist nicht gut genug“
Adidas hat ein operatives Rekordquartal gemeldet: 1,008 Milliarden Euro, ein Plus von 37 Prozent, bei 9 Prozent Umsatzwachstum auf 7,25 Milliarden Euro. Die Bruttomarge stieg um 2,5 Punkte auf 54,3 Prozent, die Jahresprognose wurde angehoben.
Der Haken: In den 1,008 Milliarden stecken 200 Millionen Euro US-Zollrückerstattung. Bereinigt darum lag das Ergebnis 9 Prozent über Konsens, nach Lesart der UBS aber nur im Rahmen der Erwartungen. UBS bleibt auf Neutral mit Kursziel 160 Euro und nennt die Bruttomargen für das kommende Jahr unsicher.
Die Adidas-Aktie sprang im Tagesverlauf über 160 Euro, gab die Gewinne aber wieder ab und notiert mit 160,90 Euro leicht unter dem Vortagesschluss. Für Trader ist 160 Euro damit die Marke, die halten muss, sonst war der Ausbruch ein Fehlsignal.
Deutsche Börse zeigt dasselbe Muster, und zwar in noch schärferer Form. Der berichtete Gewinn je Aktie stieg im dritten Quartal um 20 Prozent auf 3,10 Euro, getrieben von Handel und Clearing. Das bereinigte Cash-EPS lag mit 3,28 Euro klar über den erwarteten 3,12 Euro.
Die Nettoerlöse erreichten 1,633 Milliarden Euro gegenüber rund 1,60 Milliarden Euro Konsens. Obendrein hob Deutsche Börse die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Die Nettoerlöse sollen nun über 6,5 Milliarden Euro liegen. Trotzdem gibt die Aktie nach.
UBS belässt Deutsche Börse bei Neutral mit Kursziel 265 Euro und nennt sie hoch bewertet, der Kurs liegt bei rund 308 Euro. Die Lehre für heute Abend bei SAP: Wo die Kursziele unter dem Kurs liegen, reichen selbst ein Beat und eine angehobene Prognose nicht, um neue Käufer zu locken, es braucht eine echte positive Überraschung beim Wachstum.
KI-Erholung: Siemens Energy und Infineon drehen, aber ohne eigenen Impuls
Die Milliardengewinne von SpaceX und der Ausblick von Super Micro haben den angeschlagenen KI-Werten im DAX Luft verschafft. Siemens Energy liegt mit 133,52 Euro gut 2,7 Prozent über Vortag, Infineon mit 53,54 Euro rund 2,5 Prozent, Siemens mit 266,90 Euro knapp 2,4 Prozent.
Infineon steigt dabei ausdrücklich ohne unternehmenseigene Nachricht, allein durch die bessere Sektorstimmung. Der Abstand zu den Hochs bleibt groß: Siemens Energy hatte im April 195,38 Euro erreicht, Infineon im Juni 89,67 Euro. Für Siemens Energy nennen Analysten die November-Termine als Wegscheide, erste Kaufurteile werden geschärft.
Solange die Erholung von fremden Schlagzeilen lebt, ist sie ein Gegentrend-Trade mit engem Stopp, keine Trendwende. Erst Meta heute Abend mit erwarteten 41 Milliarden Dollar Quartalsinvestitionen zeigt, ob das Investitionstempo der KI-Abnehmer hält.
Rüstung: Rheinmetall kämpft um die 1.000 Euro, Renk sammelt Aufträge
Rheinmetall hat sich vom Juni-Tief bei 902,50 Euro um rund 13 Prozent erholt und den Widerstand bei 1.000 Euro überwunden. Am Mittwoch gibt die Rheinmetall-Aktie 3,2 Prozent auf 1.020,40 Euro ab. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 34 Prozent zu Buche, das Januar-Hoch von 1.965 Euro ist weit entfernt. Die 1.000 Euro sind damit die Marke, an der sich entscheidet, ob die Erholung trägt.
Der Branchenvergleich fällt ernüchternd aus. RTX hat den Umsatz im Quartal um 11,1 Prozent auf 24,97 Milliarden Dollar gesteigert und die Jahresprognose auf bis zu 97,5 Milliarden Dollar angehoben. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,26 Dollar, davon 0,25 Dollar aus Zollrückerstattungen, der Auftragsbestand erreicht 340 Milliarden Dollar.
Renk meldet neue Aufträge über 160 Millionen Euro binnen weniger Tage, darunter Getriebe für den Leopard 2. Jefferies bleibt auf Buy mit Kursziel 60 Euro und hält das Ziel von 2 Milliarden Euro Auftragseingang für intakt.
Die Renk-Aktie liegt bei 37,62 Euro, 30 Prozent unter Jahresbeginn, das 52-Wochen-Tief von 33,49 Euro stammt erst vom 8. Oktober. Dieses Tief ist der natürliche Stopp, der Quartalsbericht am 5. November der Trigger.
Nebenwerte: Prognoseerhöhungen, die der Markt sofort bezahlt
Friedrich Vorwerk hebt die Jahresprognose zum wiederholten Mal an. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 13 Prozent auf 228,3 Millionen Euro, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen um 57,7 Prozent auf 80,9 Millionen Euro.
Die Vorwerk-Aktie liegt mit 72,90 Euro 8,9 Prozent über Vortag, Großaktionär MBB zieht mit. Jenoptik hebt die Zielmarge für die operative Marge auf 22 Prozent an, zuvor 20 bis 21 Prozent, und gewinnt rund 10 Prozent. Im Immobiliensektor kauft Grand City gut 20 Prozent an LEG.
Vonovia hat am Dienstag ein 52-Wochen-Tief bei 15,95 Euro markiert, bei einer geschätzten Dividendenrendite von 7,63 Prozent. Qiagen gab nach Berichten über ein mögliches EQT-Angebot die Gewinne wieder ab und liegt bei 42,92 Euro unter Vortag.
Vorwerk und Jenoptik zeigen, wie schnell der Markt gute Nachrichten einpreist – wer erst nach dem Kurssprung hinschaut, kommt oft zu spät. Top-Analyst Mike Rückert stellt in einem PDF-Sonderreport fünf Aktien aus Bereichen wie Energie, Gesundheit und Hightech vor, die 2026 zu den großen Börsengewinnern zählen könnten. Sonderreport jetzt anfordern
Marschroute
Der DAX hat die 100-Tage-Linie zurückerobert und im Tagesverlauf gut 25.700 Punkte erreicht. Ein Ausbruch über die Zone 25.800 bis 25.950 Punkte öffnet den Weg zum Rekord von 26.619 Punkten aus dem August. Belastungen bleiben Brent über 110 Dollar, die französische Zehnjahresrendite bei 5 Prozent und der Iran-Konflikt.
Heute Abend entscheiden SAP und Meta, morgen früh die Reaktion. Bei SAP gilt: über 215 Euro nur mit beschleunigtem Cloud-Wachstum, darunter ist 200 bis 203 Euro die erste Auffangzone. Adidas muss die 160 Euro halten, Rheinmetall die 1.000 Euro.
Bei Renk bleibt 33,49 Euro der Stopp, der 5. November der Termin. Bitcoin notiert bei rund 84.500 Dollar und bleibt in seiner Spanne zwischen 80.000 und 87.000 Dollar. Die ETF-Zuflüsse von knapp 550 Millionen Dollar in zwei Tagen stützen vor dem Fed-Entscheid am 28. Oktober.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 21. Oktober: SAP – Kaufen, halten oder verkaufen?
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