AbbVie zeigt sich diese Woche als Konzern mit mehreren Standbeinen, die alle einzeln liefern. Zulassung, KI-Kooperation und Marktoffensive im Ästhetik-Geschäft laufen parallel – ein Muster, das die Breite des Pharmakonzerns unterstreicht.

Rinvoq erhält weitere Zulassung

Die Europäische Kommission hat Rinvoq (Upadacitinib) für die Behandlung der aktiven polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis zugelassen. Betroffen sind Patienten ab zwei Jahren, die auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika nicht ausreichend angesprochen haben.

Rinvoq war in der EU bereits für rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis und atopische Dermatitis zugelassen – die neue Indikation erweitert das Einsatzspektrum in eine jüngere Patientengruppe und stärkt die Position als Umsatzträger im Immunologie-Portfolio.

Federiertes Lernen für die Wirkstoffsuche

Parallel dazu startet AbbVie zusammen mit AstraZeneca, Bristol Myers Squibb und Johnson & Johnson eine neue Initiative namens AISB Bind. Über das von Apheris betriebene Netzwerk sollen die Unternehmen ein KI-Modell trainieren, das vorhersagt, wie stark Moleküle an ihre Zielproteine binden – ein zentraler Schritt für virtuelles Screening und die Optimierung von Wirkstoffkandidaten.

Der Clou: Die sensiblen Daten jedes Partners bleiben in dessen eigener Umgebung, trainiert wird über föderiertes Lernen auf AWS-Infrastruktur. Ein Vorläuferprojekt des Netzwerks hatte bereits gezeigt, dass sich die Trefferquote bei Strukturvorhersagen durch diesen Ansatz von 36 auf 52 Prozent steigern ließ. Das Training für AISB Bind beginnt im September, finale Modelle werden für Anfang 2027 erwartet.

Ästhetik-Sparte baut Beratungsprogramm aus

Die Tochter Allergan Aesthetics hat in den USA das Beratungsprogramm AA Signature eingeführt, beginnend mit dem Modul SKIN360. Es kombiniert Produkte wie Skinvive by Juvéderm, SkinMedica HA5 und Botox Cosmetic zu einem multimodalen Beratungsansatz für Hautpflege-Patienten.

Laut einer unternehmenseigenen Untersuchung zeigen 96 Prozent der befragten Patienten Interesse an einer umfassenden ästhetischen Beratung, Praxen mit multimodalem Behandlungsansatz verzeichnen demnach eine um 68 Prozent höhere Patientenbindung als Einzelbehandlungen. Weitere Beratungsprotokolle sollen bis 2027 folgen und Themen wie Straffung und Gesichtsstruktur abdecken.

Die drei Entwicklungen zeigen ein Unternehmen, das auf mehreren Zeithorizonten gleichzeitig investiert: kurzfristig über regulatorische Zulassungen, mittelfristig über kommerzielle Programme im Ästhetik-Geschäft und langfristig über KI-gestützte Forschungskooperationen, deren Ergebnisse erst 2027 sichtbar werden.