AbCellera nutzt die jüngste Kursrally für einen großen Schritt: Das Unternehmen holt sich frisches Kapital von den Märkten – und die Nachfrage übertraf offenbar die Erwartungen.

Die kanadische Biotech-Firma hat eine Aktienplatzierung zu 9,75 Dollar je Aktie durchgeführt und dabei rund 200 Millionen Dollar eingesammelt. Neben knapp 17,4 Millionen regulären Aktien wurden zusätzlich Pre-Funded Warrants für weitere gut drei Millionen Aktien ausgegeben – ein übliches Instrument für Investoren, die aus regulatorischen Gründen keine direkten Aktienanteile halten wollen. Die Transaktion soll am 14. August 2026 abgeschlossen werden. Als Bookrunner fungieren mit Jefferies, J.P. Morgan, Cantor, UBS Investment Bank und BMO Capital Markets gleich fünf große Investmentbanken.

Frisches Geld für die Pipeline

Das Kapital soll direkt in die klinische Entwicklung fließen, allen voran in das Leitprogramm ABCL635. Für ein Unternehmen, das laut eigenen Zahlen im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 146,4 Millionen Dollar auswies und operativ Cash verbrennt, ist der Zugang zu frischem Kapital keine Nebensache, sondern Voraussetzung für die weitere klinische Entwicklung.

Die Emission kommt nicht aus dem Nichts. Die Aktie hatte zuletzt einen kräftigen Lauf hingelegt – laut technischen Indikatoren zeigte sich der Titel in allen Zeithorizonten deutlich überkauft, mit einem Wochenplus im hohen zweistelligen Prozentbereich. Genau in solchen Phasen nutzen Unternehmen oft das Zeitfenster hoher Bewertungen, um Eigenkapital zu möglichst günstigen Konditionen für das eigene Unternehmen aufzunehmen.

Bullische Analysten, skeptische Bewertungsmodelle

Das Bild bei AbCellera bleibt gespalten. Auf der einen Seite stehen Analystenhäuser wie Truist und BMO Capital, die ihre Kursziele zuletzt kräftig anhoben – bis auf 30 Dollar reichen die Prognosen inzwischen. Alle bislang aktiven Analysten empfehlen den Titel zum Kauf.

Auf der anderen Seite verweisen Bewertungsmodelle auf eine deutliche Diskrepanz zum fairen Wert, der spürbar unter dem aktuellen Kursniveau liegt. Der Grund: Negative Bruttomargen, anhaltende Verluste und ein noch fehlender Nachweis kommerzieller Tragfähigkeit stehen den optimistischen Wachstumserwartungen gegenüber. Immerhin verfügt das Unternehmen über eine solide Bilanz mit deutlich mehr Eigenkapital als Schulden – ein Polster, das kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten unwahrscheinlich macht.

Mit dem frischen Kapital verschafft sich AbCellera nun Spielraum, um die nächsten klinischen Meilensteine bei ABCL635 zu erreichen. Ob die aktuelle Bewertung diesen Fortschritt bereits vorwegnimmt oder noch Luft nach oben lässt, dürfte sich an den kommenden Studiendaten entscheiden.