Die klinischen Daten waren stark, die Marktreaktion verheerend. Abivax erlebt derzeit eine der heftigsten Kursschwankungen der jüngeren Biotech-Geschichte. Ein Krebs-Signal in der entscheidenden Phase-3-Studie für das Medikament Obefazimod hat einen massiven Abverkauf ausgelöst — und spaltet nun die Analystengemeinde.
Starke Wirksamkeit, alarmierende Nebenwirkung
Auslöser der Turbulenzen sind die Ergebnisse der Phase-3-Studie ABTECT. Abivax testet hier Obefazimod als Erhaltungstherapie bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa. Die Wirksamkeit überzeugt: Nach 44 Wochen erreichten beide Dosierungen den primären Endpunkt. Die placebobereinigte klinische Remissionsrate lag bei knapp 40 Prozent.
Allerdings traten vier Fälle von Hautkrebs in der höheren 50-Milligramm-Dosisgruppe auf. Das französische Biotech-Unternehmen stuft diese als nicht behandlungsbedingt ein. Zwei Patienten hatten bereits eine entsprechende medizinische Vorgeschichte, bei den anderen beiden gilt ein Zusammenhang als unwahrscheinlich.
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Extreme Volatilität und gespaltene Experten
Der Markt reagierte panisch. Auf Wochensicht brach der Kurs um über 31 Prozent ein und schloss am Mittwoch bei 76,25 Euro. Die annualisierte Volatilität schoss auf extreme 148 Prozent.
Selten bewerten Großbanken ein klinisches Event derart unterschiedlich. Die Kursziele driften massiv auseinander:
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- Citizens: Hebt das Ziel von 131 auf 187 US-Dollar an (Outperform).
- Morgan Stanley: Senkt leicht auf 132 US-Dollar (Overweight).
- Wolfe Research: Reduziert von 176 auf 136 US-Dollar (Outperform).
- Wedbush: Kappt das Ziel drastisch auf 90 US-Dollar, stuft aber auf Neutral hoch.
Wedbush verweist explizit auf die Krebsfälle in der hohen Dosierung, lobt aber zeitgleich die starken Remissionsraten. Stifel-Analyst Damien Choplain sieht in dem Signal eher ein potenzielles Warnhinweis-Risiko für den Beipackzettel als eine echte kausale Gefahr. Zum Vergleich: Das Konkurrenzprodukt Rinvoq von AbbVie trägt eine FDA-Warnung für bösartige Tumore, generierte 2025 aber dennoch 8,3 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Volle Kassen bis zur Zulassung
Finanziell steht Abivax stabil da. Mit über 490 Millionen Euro an liquiden Mitteln reicht die Finanzierung laut Management bis ins vierte Quartal 2027. Ein kurzfristiges Verwässerungsrisiko durch Kapitalerhöhungen ist damit gering.
Im Oktober veröffentlicht Abivax den vollständigen Datensatz der Phase-3-Studie, der finale Klarheit über die Krebsfälle bringen soll. Ende des vierten Quartals 2026 plant das Unternehmen die Einreichung des Zulassungsantrags bei der US-Behörde FDA. Mitte 2027 folgen dann die Ergebnisse der Phase-2b-Studie für Morbus Crohn.
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