Operative Fortschritte auf der einen Seite, ein historischer Verlust und offener Koalitionsstreit auf der anderen: ABO Energy steckt mitten in einer fragilen Sanierungsphase — und ausgerechnet jetzt liefern sich CDU und SPD in Berlin einen öffentlichen Schlagabtausch über die Zukunft der Energiewende.

Koalitionskonflikt trifft auf schwache Bilanz

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nannte am 10. April die Energiepolitik von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) öffentlich „teuer und wirkungsschwach“. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich befremdet über den offenen Konflikt. Für ABO Energy ist das keine abstrakte Berliner Debatte: Das Unternehmen trägt einen Nettoverlust von rund 170 Millionen Euro für 2025 vor sich her — verursacht durch niedrigere Einspeisevergütungen, Wertberichtigungen von 35 Millionen Euro und Projektverzögerungen im Ausland. Jede weitere Unsicherheit im regulatorischen Rahmen trifft das Unternehmen in einer besonders verletzlichen Phase.

Erschwerend kommt ein Führungsvakuum hinzu: CFO Alexander Reinicke verließ im März seinen Posten, die Aufgaben werden seither kommissarisch wahrgenommen.

Projektpipeline wächst — trotz allem

Das operative Geschäft sendet stabilisierende Signale. In Kanada verkaufte ABO Energy Projektrechte für ein 63-Megawatt-Windprojekt in New Brunswick, in Spanien unterzeichnete das Unternehmen seinen ersten Owner’s Engineering-Vertrag für ein Solarprojekt. Im deutschen Markt sicherten sich die Wiesbadener Tarifzuschläge für Windparkausbauten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit 16,4 Megawatt Gesamtvolumen — Inbetriebnahme geplant für Herbst 2027. Neue Baugenehmigungen für weitere 35 Megawatt im Saarland und NRW ergänzen die Bilanz. Die genehmigte Windpipeline im Inland summiert sich damit auf rund 650 Megawatt.

Rückendeckung kommt auch von den Anleihegläubigern: Sie stimmten mit über 99 Prozent dafür, eine Negativverpflichtungsklausel bis Ende 2026 auszusetzen — was ABO Energy die nötige Flexibilität verschafft, um Sicherheiten zu stellen und an Ausschreibungen teilzunehmen.

Jahresabschluss im Juni als Prüfstein

Das Management hat ein Transformationsprogramm aufgesetzt, das für 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone und bis 2027 einen Nettogewinn von 50 Millionen Euro anpeilt. Der geprüfte Konzernabschluss für 2025 soll im Juni 2026 vorliegen und wird zeigen, wie belastbar diese Ziele tatsächlich sind. Bis dahin bleibt die Lage zweigeteilt: wachsende Projektpipeline hier, ungelöste Finanzierungsfragen und politische Unberechenbarkeit dort.