Der Windparkentwickler ABO Wind steckt tief in der Krise. Das Unternehmen hat den Verlust der Hälfte seines Grundkapitals offiziell gemeldet — und die Zeit läuft ab.

Analyst setzt Coverage aus

First Berlin Equity Research hat Rating und Kursziel vorerst eingefroren. Die Einstufung lautet nun „Under Review“. Ausschlaggebend: ABO Wind stellt für das Gesamtjahr 2026 kein positives Konzernergebnis mehr in Aussicht. Hinzu kommt, dass der testierte Jahresabschluss für 2025 noch aussteht.

Ohne geprüfte Zahlen und eine belastbare Planung fehlt die Grundlage für eine Neubewertung. Der massive Bilanzverlust zwingt das Unternehmen außerdem zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung — rechtlich zwingend, sobald die Hälfte des Grundkapitals verloren ist.

Stillhaltefrist läuft im Juli aus

Ein erster Entwurf des Sanierungsgutachtens bescheinigt ABO Wind grundsätzlich die Sanierungsfähigkeit. An Bedingungen geknüpft. Die wichtigste: eine neue, tragfähige Finanzierung mit den Bankpartnern.

Der Zeitplan ist eng:

  • Juli 2026: Die Stillhaltevereinbarung mit den Finanzierungspartnern läuft aus. Bis dahin muss ein Finanzierungspaket stehen.
  • August 2026: Die außerordentliche Hauptversammlung findet statt.

Ein positives EBITDA strebt das Unternehmen frühestens für 2027 an. Bis dahin braucht es frisches Kapital — das der operative Cashflow derzeit nicht liefert.

Operative Signale für die Gläubiger

Inmitten der Bilanzkrise hat ABO Wind im Juni erste Tiefbauarbeiten im Windpark Külsheim gestartet. Veraltete Anlagen sollen durch moderne Turbinen ersetzt werden. Das Repowering soll die Leistung des Parks deutlich steigern.

Das Projekt ist kein Zufall. Das Management will damit gegenüber den Gläubigern den Wert der Projekt-Pipeline belegen. Die Botschaft: Das operative Geschäft läuft — gebt uns Zeit und Kapital.

Testierer Abschluss als nächster Prüfstein

Noch im Juni soll der geprüfte Konzernabschluss für 2025 vorliegen. Er wird erstmals zeigen, wie tief die Wertberichtigungen tatsächlich ausgefallen sind. Das ist der nächste harte Datenpunkt für Investoren.

Gelingt dem Management bis Ende Juli keine Anschlussfinanzierung, eskaliert die Lage weiter. Die Überzeugungsarbeit bei den Banken läuft — das Zeitfenster schließt sich.