Der IT-Dienstleister Adesso sendet in einer Phase operativer Neuausrichtung ein Signal der personellen Stabilität. Das Unternehmen hat den Vorstandsvertrag von Andreas Prenneis vorzeitig verlängert. Während der Konzern im operativen Geschäft deutliche Zuwächse bei Umsatz und EBITDA verzeichnet, belasten Sondereffekte aus Abschreibungen das kurzfristige Nettoergebnis.

Langfristige Bindung im Vorstand

Die Führungsebene von Adesso bleibt langfristig besetzt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Vertrag mit dem Vorstandsmitglied Andreas Prenneis bis zum Jahr 2030 verlängert. Die entsprechende Unterzeichnung der Vereinbarung erfolgte am vergangenen Donnerstag. Mit diesem Schritt setzt der Konzern auf Kontinuität, um die strategischen Ziele der kommenden Jahre umzusetzen.

Diese personelle Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Adesso mit einem zweigeteilten Zahlenwerk konfrontiert ist. Vor rund zwei Wochen legte das Unternehmen seinen Halbjahresbericht vor.

Zwar stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres um 13 Prozent auf 794,3 Millionen Euro, doch unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 7,2 Millionen Euro. Dieser Fehlbetrag resultiert vor allem aus Wertberichtigungen auf Firmenwerte und Software, die insbesondere das zweite Quartal belasteten.

Fokus auf Künstliche Intelligenz und Zukäufe

Trotz des Nettoverlustes zeigt die operative Entwicklung eine positive Dynamik. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte im ersten Halbjahr um 21 Prozent auf 45,8 Millionen Euro.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz. Im Bereich der generativen KI (GenAI) konnte Adesso bereits Neuaufträge im Volumen von 73,7 Millionen Euro von 72 Kunden aus sieben verschiedenen Ländern gewinnen.

Um die Position in diesem Zukunftsmarkt weiter zu stärken, erwarb Adesso am 12. August die KI-Claims-Plattform omni:us, die speziell auf die Versicherungsbranche zugeschnitten ist. Diese Akquisition unterstreicht das Ziel des Vorstands, technologische Kompetenzen in spezialisierten Sektoren zu bündeln.

Für das Gesamtjahr 2026 bleibt die Unternehmensführung zuversichtlich und bestätigte die Prognose, die einen Umsatz zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Euro sowie ein EBITDA von 130 bis 150 Millionen Euro vorsieht.

Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial

Am Aktienmarkt spiegelte sich die operative Zuversicht zuletzt in angehobenen Kurszielen wider. Die Analysten von SMC-Research erhöhten ihre Einschätzung für das Papier am 17. August von 132,00 auf 138,00 Euro. Auch das Analysehaus Berenberg bestätigte am selben Tag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 128,00 Euro.

Die Aktie notiert derzeit bei 59,70 Euro und verzeichnete seit Jahresbeginn einen Rückgang von 33 Prozent. Trotz dieses deutlichen Minus im laufenden Jahr liegt der Titel aktuell etwa 26 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 47,30 Euro.

Die Analysten setzen darauf, dass die Bestätigung der Jahresziele und der Ausbau des KI-Segments mittelfristig für eine Neubewertung der Aktie sorgen könnten, sobald die einmaligen Abschreibungen aus dem ersten Halbjahr verarbeitet sind. Auch die personelle Stabilität durch die Vertragsverlängerung von Prenneis wird am Markt als vertrauensbildende Maßnahme gewertet.