Die Analysten von RBC Capital Markets setzen weiterhin auf eine positive Entwicklung des Sportartikelherstellers Adidas. Trotz einer durchwachsenen Nachfrage auf dem wichtigen chinesischen Markt und aktueller öffentlicher Diskussionen über Werbestrategien bekräftigte das Analysehaus am heutigen Mittwoch seine Einstufung auf „Outperform“.

Das Kursziel bleibt unverändert bei 200 Euro. Damit trauen die Experten dem Papier eine deutliche Erholung zu, nachdem der Wert im bisherigen Jahresverlauf unter Druck geraten war.

Fokus auf Modetrends und lokale Stärke

Analyst Piral Dadhania begründet die optimistische Haltung mit der vorteilhaften Positionierung von Adidas bei aktuellen Modetrends. Das Unternehmen profitiere zudem stark von seinen lokalen Geschäften, was die schwankende Nachfrage in China teilweise kompensieren könne.

Im direkten Branchenvergleich sehen die Experten Adidas derzeit besser aufgestellt als den US-Konkurrenten Nike. Während Nike sich in einer frühen Transformationsphase befinde und erheblichen Nachholbedarf aufweise, agiere der deutsche Konzern operativ agiler.

Diese operative Stärke schlug sich bereits in den jüngsten Geschäftszahlen nieder. Im zweiten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 13,29 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro.

Trotz dieser Wachstumsraten notiert die Aktie im XETRA-Handel am heutigen Mittwoch bei 146,45 Euro und verzeichnet damit ein leichtes Minus von 0,4 Prozent. Das Papier folgt damit dem allgemeinen Abwärtstrend im DAX, der unter anderem durch steigende Ölpreise und die Erwartung einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank belastet wird.

Kontroversen um Werbekampagnen und Produkte

Abseits der harten Finanzdaten sah sich der Konzern zuletzt mit Kritik in den sozialen Medien konfrontiert. Adidas Arabia veröffentlichte eine Entschuldigung für eine Werbeaktion, in der ein ehemaliger israelischer Soldat auftrat. Die Kampagne, die einen speziellen Schuh für Menschen mit Behinderung bewarb, hatte international Boykottaufrufe ausgelöst.

Zudem sorgt die Einführung eines neuen Dirndls für 400 Euro für Diskussionen. Während einige Designelemente als originell bewertet wurden, kritisierten Stimmen aus der Trachtenbranche den Preis und eine mangelnde Rücksichtnahme auf Traditionen.

Diese medialen Debatten treffen auf ein konjunkturell schwieriges Umfeld. Daten des Statistischen Bundesamtes belegen eine fragile Lage im Außenhandel: Die deutschen Exporte nach China sanken im Juli um 9,5 Prozent. Adidas muss sich in diesem Marktumfeld behaupten, um die Lücke zum bisherigen 52-Wochen-Hoch zu schließen. Aktuell trennt die Aktie ein Abstand von 27 Prozent von diesem Höchststand.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 zeigen sich Marktbeobachter dennoch zuversichtlich. Analysten erwarten im Konsens einen Gewinn von 9,41 Euro je Aktie, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellen würde.

Auch die Dividendenprognose fällt mit geschätzten 3,61 Euro höher aus als die im Vorjahr gezahlten 2,80 Euro. Ob diese Erwartungen erfüllt werden, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Marke ihre modische Dynamik gegen die globale Konsumzurückhaltung verteidigen kann.