Zwei Nachrichten an einem Morgen, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: Adidas meldet das umsatzstärkste Quartal der Firmengeschichte — und tauscht zugleich seinen Finanzvorstand aus. Die Fußball-Weltmeisterschaft beschert dem Konzern einen Schub, den selbst das eigene Management offenbar unterschätzt hatte.
WM-Boom treibt Umsatz auf Rekordniveau
Im zweiten Quartal wuchs der währungsbereinigte Umsatz um 14 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro — der höchste je verzeichnete Quartalsumsatz des Unternehmens. Getrieben wurde das Wachstum vor allem vom Performance-Segment, das um 39 Prozent zulegte, angeführt von Fußball und Running. Das Direct-to-Consumer-Geschäft wuchs um 25 Prozent, mit zweistelligen Zuwächsen in sämtlichen Märkten.
Die Bruttomarge kletterte um 0,8 Prozentpunkte auf 52,5 Prozent, gestützt durch einen hohen Anteil an Verkäufen zum vollen Preis. Das Betriebsergebnis stieg trotz massiv erhöhter Marketingausgaben für die WM-Kampagnen um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen legte um 6 Prozent auf 398 Millionen Euro zu.
Für das Gesamtjahr hebt Adidas die Umsatzprognose an: Statt eines hohen einstelligen Zuwachses erwartet der Konzern nun ein währungsbereinigtes Wachstum zwischen 9 und 10 Prozent. Am Ziel für das Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro hält das Management fest. Nicht eingerechnet sind mögliche Erstattungen von US-Zöllen in Höhe von 250 bis 300 Millionen Dollar, die künftig noch anfallen könnten.
Kretschmer kehrt zurück, Ohlmeyer geht
Parallel zur Zahlenvorlage kündigte Adidas einen Wechsel an der Konzernspitze an. Der Aufsichtsrat beruft Birgit Kretschmer zum 1. September in den Vorstand. Zum Jahresende übernimmt sie das Finanzressort von Harm Ohlmeyer, der seinen Vertrag nicht über die aktuelle Laufzeit hinaus verlängern wollte.
Für Kretschmer ist es eine Rückkehr: Sie hat bereits 25 Jahre für Adidas gearbeitet, zuletzt war sie sechs Jahre lang CFO bei C&A. Ohlmeyer war fast 30 Jahre im Konzern und seit 2017 Finanzvorstand — er hatte die Nachfolgeplanung eng mit Vorstandschef Bjørn Gulden abgestimmt.
Im ersten Halbjahr summierte sich der Rekordumsatz auf 13,3 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis verbesserte sich um 11 Prozent auf 1,279 Milliarden Euro. Von dem bis zu einer Milliarde Euro schweren Aktienrückkaufprogramm für 2026 hat Adidas bereits 525 Millionen Euro umgesetzt, die zweite Tranche läuft. Der Führungswechsel an der Finanzspitze fällt damit in eine Phase, in der der Konzern operativ so stark dasteht wie selten zuvor.
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