Mehrere Analystenhäuser haben am Freitag ihre Kursziele für Adidas angehoben. Die Reaktionen auf den Quartalsbericht fallen dennoch nicht einheitlich aus: Während optimistischere Einschätzungen die Rekordergebnisse honorieren, stehen zurückhaltendere Bewertungen neben den Kaufempfehlungen. Für Anleger liegt der entscheidende Unterschied in der Gewichtung der Wachstumstreiber und des schwachen Lifestyle-Schuhgeschäfts.

Höhere Ziele ohne einheitliches Kaufvotum

JPMorgan erhöhte das Kursziel am Freitag auf 230 Euro und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Zwei weitere Analysehäuser hoben ihre Ziele auf jeweils 210 Euro an. Damit erhielt Adidas nach dem Quartalsbericht zusätzliche Unterstützung von Analystenseite.

Die höheren Zielmarken bedeuten allerdings keinen einhelligen Optimismus. Besonders das Verhältnis zwischen der Stärke im Direktvertrieb und der schwächeren Entwicklung bei Schuhen prägt die unterschiedlichen Einschätzungen.

UBS beließ Adidas am Donnerstag auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 160 Euro. Analyst Robert Krankowski verwies auf die anhaltende Stärke im Direktgeschäft. Zugleich standen das schwache Sportschuhwachstum und die erwartete Belebung Europas im Fokus seiner Einschätzung.

Andere Analysten betonten dagegen Performance-Produkte und den Direktvertrieb als Wachstumstreiber. Das herausfordernde Geschäft mit Lifestyle-Schuhen verschwand damit nicht aus der Bewertung. Die Unterschiede liegen weniger in der Beschreibung dieser Entwicklungen als in den daraus abgeleiteten Anlageurteilen.

Rekordergebnisse liefern die Grundlage

Adidas meldete am Donnerstag für das dritte Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 7,252 Milliarden Euro. Das entsprach einem Wachstum von 9 Prozent. Das Betriebsergebnis erreichte ebenfalls einen Rekordwert von 1,008 Milliarden Euro.

Nach dem Bericht von dpa-AFX trugen insbesondere die Rekordumsätze sowie das Wachstum im Direktvertrieb und bei Bekleidung zur positiven Börsenreaktion am Berichtstag bei. Damit stützte sich die Erholung nicht allein auf Erwartungen an das Schlussquartal.

Das Betriebsergebnis legte gegenüber dem Vorjahresquartal um 37 Prozent zu. Der Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen erreichte 711 Millionen Euro. Die Ergebnisentwicklung liefert damit eine konkrete Grundlage für die angehobenen Kursziele.

Sondereffekt bleibt für die Einordnung wichtig

Der Rekordgewinn lässt sich allerdings nicht ausschließlich dem laufenden Geschäft zuschreiben. Reuters berichtete im Zusammenhang mit den vorläufigen Zahlen über eine einmalige US-Zollrückerstattung von 200 Millionen Euro im dritten Quartal. Zugleich waren zusätzliche Investitionen von 100 Millionen Euro für das vierte Quartal geplant.

Die vor rund zwei Wochen angehobene Gewinnprognose bildet den Rahmen dieser Entwicklung. Beim Quartalsbericht bestätigte Adidas den Ausblick, statt eine weitere Erhöhung vorzunehmen.

Für Anleger ergeben sich daraus zwei getrennte Bewertungsfragen: Wie stark tragen Direktvertrieb und Performance-Produkte das weitere Wachstum? Und wie viel Gewicht erhält das schwache Lifestyle-Schuhgeschäft? Die jüngsten Analystenaktionen zeigen Unterstützung für Adidas, aber keine einheitliche Antwort auf diese Fragen.