Kaum hat sich die Adidas-Aktie vom Kursrutsch nach den Quartalszahlen erholt, kommt der nächste Dämpfer. Die UBS strich am Montagabend ihre Kaufempfehlung und kappte das Kursziel deutlich. Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Minus von rund 3 Prozent auf etwa 160 Euro.
Die Schweizer Großbank stufte Adidas von „Buy“ auf „Neutral“ zurück und senkte das Kursziel von 219 auf 173 Euro. Analyst Robert Krankowski sieht den Umsatztrend zwar weiterhin stabil, die Marge hält er jedoch für verwundbar. Zusammen mit Kollegin Zuzanna Pusz bleibt er langfristig konstruktiv für die Positionierung unter CEO Bjørn Gulden und rechnet mittelfristig weiter mit Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Die Bruttomarge liefere aber nicht mehr die gewohnte Unterstützung — und das reine Kostenmanagement dürfte 2027 und 2028 allein nicht ausreichen, um die Gewinnschätzungen spürbar nach oben zu revidieren.
Drei Belastungsfaktoren für die Marge
UBS nennt drei konkrete Gründe für die Skepsis. Erstens nähern sich die Margen in mehreren Kernmärkten bereits ihrem Höchststand, während sich der Produktmix zunehmend in Richtung Lifestyle verschiebt und 2027 stärker vom margenschwächeren Großhandelsgeschäft geprägt sein dürfte. Zweitens belasten steigende Ölpreise die Produktkosten — nach UBS-Schätzung sind mehr als 60 Prozent der Rohstoffe bei Adidas ölbasiert, eine vollständige Kompensation über Preiserhöhungen sei nicht in Sicht. Drittens dürfte der aktuelle Rückenwind durch den starken Dollar auslaufen, sobald die bestehenden Währungsabsicherungen Richtung 2028 auslaufen.
Nach Einschätzung der Analysten preist der Markt aktuell ein nachhaltiges Wachstum im hohen einstelligen Bereich sowie eine Terminalmarge oberhalb der eigenen 10-Prozent-Annahme von UBS ein. Ohne klare Katalysatoren für eine Neubewertung dürfte sich die Aktie daher vorerst in einer engen Bandbreite bewegen — abgesehen von einem einmaligen Effekt aus Zollrückerstattungen sehen die Analysten wenig Spielraum für positive Gewinnrevisionen. Zusätzlich verweist UBS auf wachsenden Wettbewerbsdruck durch Nike und Puma ab 2027, auch wenn die historische Korrelation zwischen den Verkaufszahlen von Adidas und Nike bislang eher schwach ausfiel.
Die Abstufung reiht sich in eine Serie kritischer Stimmen ein. Bereits am Montag hatte Goldman Sachs sein Kursziel von 185 auf 180 Euro gesenkt und die Einstufung „Neutral“ bestätigt — mit Verweis auf spätzyklische Branchentrends nach dem WM-getriebenen Wachstumsschub und zunehmende Marketingaktivitäten der Konkurrenz. Parallel dazu läuft im Hintergrund das laufende Aktienrückkaufprogramm weiter: Bis Ende Juli hatte Adidas im Rahmen der zweiten Tranche gut zwei Millionen eigene Aktien zurückgekauft.
Für die Aktie bleibt die Marke von 160 Euro damit die entscheidende Haltelinie, an der auch die 200-Tage-Linie verläuft. Rutscht der Kurs darunter, dürfte der jüngste Abwärtsdruck der Analystenhäuser weiteren Spielraum nach unten eröffnen.
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