Adidas- vs. Nike-Aktie: Wer gewinnt das Rennen um die Zukunft?

Adidas zeigt starkes Umsatzwachstum und eine attraktive Bewertung, während Nike mit stagnierenden Zahlen und hohem Aufschlag kämpft. Ein Vergleich der beiden Sportartikel-Giganten.

Adidas Aktie
Kurz & knapp:
  • Adidas mit zweistelligem Umsatzplus und Turnaround
  • Nike kämpft mit minimalem Wachstum und Gewinneinbruch
  • Adidas deutlich günstiger bewertet als Nike und Branche
  • Nike punktet mit höherer Profitabilität und Dividende

Die beiden größten Sportartikelkonzerne der Welt stecken mitten im Umbruch – doch sie bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Während Adidas mit zweistelligem Umsatzwachstum und einer aggressiven Kulturoffensive Boden gutmacht, kämpft Nike mit stagnierendem Wachstum und einem Bewertungsabschlag, der für den Branchenprimus ungewohnt schmerzhaft ausfällt. Wer hat aktuell die besseren Karten?

Zwei Giganten, zwei Geschwindigkeiten

Der Größenunterschied bleibt beachtlich: Nike bringt rund 82,5 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung auf die Waage – gut dreimal so viel wie Adidas mit 24,7 Milliarden Euro. Doch Größe allein schützt nicht vor Problemen.

Nike lieferte im jüngsten Quartal zwar solide 12,43 Milliarden Dollar Umsatz und schlug damit die Erwartungen. Der Gewinn je Aktie von 0,53 Dollar übertraf den Konsens um 0,16 Dollar. Klingt ordentlich – bis man auf das Wachstum schaut: magere 0,6 Prozent im Jahresvergleich. Gleichzeitig brach der Gewinn je Aktie um 32 Prozent ein. Das ist kein Wachstumskurs, das ist Schadensbegrenzung.

Adidas dagegen legte im vierten Quartal währungsbereinigt um 10 Prozent zu. In China explodierten die Umsätze um 15 Prozent, in Europa ging es um 5 Prozent nach oben. Der Konzern hat offenbar den Turnaround geschafft – und das Management untermauert dieses Selbstvertrauen mit einem frisch angekündigten Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro.

Wer verdient mehr an jedem Euro Umsatz?

Hier liegt Nikes größter Trumpf. Eine operative Marge von 11,5 Prozent und eine Nettomarge von 5,4 Prozent zeigen: Der amerikanische Konzern versteht es nach wie vor, aus Umsatz Gewinn zu machen. Adidas hinkt mit 2,7 Prozent operativer Marge und 1,3 Prozent Nettomarge deutlich hinterher.

Allerdings erzählt dieser Vergleich nur die halbe Geschichte. Adidas kommt aus einer tiefen Restrukturierung und hat die Margen in den vergangenen Quartalen konsequent verbessert. Der digitale Direktvertrieb – mittlerweile 18 Prozent des Gesamtumsatzes, über vier Milliarden Euro jährlich – gibt dem Konzern zunehmend Preissetzungsmacht. Die Margenlücke schrumpft.

Nike wiederum finanziert aus seiner Profitabilität eine Dividendenrendite von 2,9 Prozent. Doch Vorsicht: Die Ausschüttungsquote liegt bei 96,5 Prozent. Das lässt kaum Spielraum für Erhöhungen – und bei weiter schrumpfenden Gewinnen wird diese Quote schnell zum Problem.

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Bewertung: Wer ist günstiger?

Die Zahlen sprechen eine erstaunlich klare Sprache:

KennzahlAdidasNikeBranche
KGV (TTM)22,6632,7624,50
KGV (Forward)13,7527,1721,00
EV/EBITDA9,2121,4014,50
Kurs/Umsatz1,032,501,80
PEG-Ratio0,592,871,50
Dividendenrendite1,18 %2,90 %2,10 %

Adidas notiert bei praktisch jeder Bewertungskennzahl unter dem Branchendurchschnitt. Nike dagegen handelt fast überall mit einem satten Aufschlag. Besonders auffällig: Das PEG-Ratio von 0,59 bei Adidas signalisiert, dass der Markt das Wachstumspotenzial noch nicht vollständig einpreist. Nikes PEG von 2,87 deutet auf das genaue Gegenteil hin – hier zahlen Anleger einen Premium für eine Wachstumsstory, die aktuell nicht liefert.

Kursperformance: Beide im Minus – aber unterschiedlich

ZeitraumAdidasNike
1 Tag-1,27 %-0,90 %
1 Monat-10,39 %-10,95 %
12 Monate-38,40 %-25,07 %

Beide Aktien stecken in einem schwierigen Marktumfeld. Adidas hat auf Jahressicht stärker verloren als Nike – paradoxerweise trotz der besseren operativen Dynamik. Das liegt am höheren Beta und an der stärkeren Gewichtung europäischer Konjunktursorgen. Doch genau hier könnte sich ein Einstiegsfenster öffnen: Wer an den Turnaround glaubt, bekommt Adidas aktuell zu einem historisch attraktiven Bewertungsniveau.

Bilanzqualität: Vorteil Nike

KennzahlAdidasNike
Eigenkapitalrendite23,68 %18,43 %
Verschuldungsgrad0,960,50
Liquiditätsgrad1,312,06

Nike punktet mit einer konservativeren Bilanz. Der niedrigere Verschuldungsgrad und die höhere kurzfristige Liquidität bieten einen soliden Puffer in unsicheren Zeiten. Adidas zeigt zwar eine beeindruckende Eigenkapitalrendite von 23,7 Prozent, trägt dafür aber auch mehr Schulden. In einem Umfeld steigender Zinsen ist das kein Vorteil.

Wachstumstreiber: Wer hat die bessere Pipeline?

Adidas spielt seine kulturelle Relevanz aggressiv aus. Die Kooperation „Places + Faces“ mit Arsenal, die heute gestartet ist, zeigt die Strategie: hyperlokal, kulturell aufgeladen, schnell am Markt. Die Retro-Offensive rund um klassische Sneaker-Modelle hat die Marke wieder in den Lifestyle-Mainstream katapultiert. Dazu kommen 22 bereits lancierte Heimtrikots für den Eventzyklus 2026 – die Auswärtstrikots folgen Ende März.

Nike kontert mit seinem digitalen Ökosystem. Hunderte Millionen aktive App-Nutzer liefern Daten, die Kundenakquisekosten senken und den Customer Lifetime Value maximieren. Kein Wettbewerber kann dieses Netzwerk kurzfristig replizieren. Zudem hat Nike kürzlich ein Upgrade auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 73 Dollar erhalten – das impliziert rund 30 Prozent Aufwärtspotenzial.

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Risiken: Was beide bedroht

Beide Konzerne fertigen über 90 Prozent ihrer Produkte in Asien. Zollrisiken treffen sie gleichermaßen hart. Dazu kommt die Abhängigkeit vom diskretionären Konsum: Sollte die Weltwirtschaft in eine Rezession rutschen, leiden Sportartikelaktien überproportional. Und der Wettbewerb durch Spezialisten wie On Running oder Hoka frisst an den Marktanteilen im lukrativen Laufsegment.

Für wen eignet sich welche Aktie?

Defensive Anleger greifen zu Nike. Die höhere Dividende, die saubere Bilanz und die globale Marktführerschaft bieten Schutz nach unten.

Wachstumsorientierte Investoren finden bei Adidas das bessere Chance-Risiko-Profil. Zweistelliges Umsatzwachstum, ein PEG-Ratio unter 1 und ein milliardenschweres Rückkaufprogramm bilden ein überzeugendes Gesamtpaket.

Value-Investoren dürften ebenfalls bei Adidas landen. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,03 für eine der bekanntesten Marken der Welt? Das sieht nach einem Schnäppchen aus.

Fazit: Adidas hat aktuell die Nase vorn

Das Duell fällt knapper aus, als es die Marktkapitalisierung vermuten lässt. Nike bleibt der unangefochtene Branchenführer mit überlegener Profitabilität und Bilanzstärke. Doch der Konzern zahlt gerade den Preis für Wachstumsstillstand bei gleichzeitig hoher Bewertung.

Adidas punktet mit Momentum, attraktiver Bewertung und einer glaubwürdigen Turnaround-Story. Wer bereit ist, die höhere Volatilität und den dünneren Margenpuffer in Kauf zu nehmen, bekommt dafür das deutlich bessere Wachstumsprofil. In der Gesamtbewertung setzt sich Adidas mit 72 zu 68 Punkten knapp durch – vor allem dank der günstigeren Bewertung und der stärkeren operativen Dynamik.

Kann Nike den Spieß wieder umdrehen? Durchaus möglich. Aber Stand heute muss der Weltmarktführer erst beweisen, dass er wieder wachsen kann. Adidas liefert bereits.

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