Adobe hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Erwartungen der Analysten übertroffen und neue Bestmarken beim Umsatz sowie beim operativen Cashflow gesetzt. Trotz der starken operativen Entwicklung und einer angehobenen Jahresprognose reagierten die Anleger verhalten auf den Ausblick für das vierte Quartal.
Zeitgleich kündigte der Softwarekonzern einen Wechsel an der Unternehmensspitze an: Anil Chakravarthy wird zum 1. Dezember die Rolle des CEO übernehmen, während der langjährige Chef Shantanu Narayen als Executive Chair im Unternehmen bleibt.
Starkes Quartalsergebnis durch KI-Wachstum
Im am 28. August beendeten dritten Quartal steigerte Adobe seinen Umsatz auf den Rekordwert von 6,76 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Der bereinigte Gewinn je Aktie (Non-GAAP EPS) lag mit 6,13 US-Dollar über dem Marktkonsens von 6,08 US-Dollar. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war die Integration von Funktionen der künstlichen Intelligenz (KI) in die bestehende Produktpalette wie Photoshop, Premiere und Acrobat.
Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) im Bereich „AI-first“ stieg laut Unternehmensangaben um über 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 650 Millionen US-Dollar. Die Anwendung Firefly verzeichnete beim wiederkehrenden Umsatz ein Wachstum von 40 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Zudem erreichte Adobe einen Meilenstein bei der Nutzerbasis: Erstmals nutzen mehr als eine Milliarde monatlich aktive Anwender (MAU) die Software-Suite des Konzerns. Davon entfallen über 100 Millionen Nutzer auf die Creative-Freemium-Angebote.
Vorstandsumbau und verhaltener Ausblick
Trotz der Rekordzahlen im operativen Geschäft dämpfte die Prognose für das laufende vierte Quartal die Stimmung am Markt. Adobe peilt für das Abschlussquartal einen Umsatz zwischen 6,80 und 6,85 Milliarden US-Dollar an.
Analysten hatten im Mittel mit dem oberen Ende dieser Spanne gerechnet, was Sorgen über den zunehmenden Wettbewerbsdruck im KI-Sektor befeuerte. Dennoch hob das Management das Ziel für das Gesamtjahr 2026 leicht an und erwartet nun einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 24,45 und 24,50 US-Dollar bei einem Jahresumsatz von bis zu 26,63 Milliarden US-Dollar.
Der angekündigte CEO-Wechsel markiert eine Zäsur für den Konzern. Neben dem Aufrücken von Chakravarthy zum 1. Dezember gibt es weitere personelle Veränderungen: Steve Day fungiert derzeit als Interim-CFO, nachdem Dan Durn das Unternehmen im Juni verlassen hat. Zudem wurde bekannt, dass David Wadhwani, Präsident für die Bereiche Creativity und Productivity, zum 27. September von seinem Posten zurücktritt.
An der Börse notierte das Papier am Freitag zum Handelsschluss bei 219,35 Euro. Trotz einer kurzfristigen Erholung zum Wochenausklang spiegelt der Kurs die Skepsis der Investoren wider: Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 27 Prozent. Damit liegt der Wert aktuell rund 30 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Analysten reagieren mit Kurszielanpassungen
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Quartalszahlen und den Ausblick fielen gemischt aus. Die Analysten von JPMorgan senkten ihr Kursziel für die Adobe-Aktie von 340 auf 315 US-Dollar, behielten jedoch die Einstufung „Overweight“ bei. Sie verwiesen auf die soliden Q3-Ergebnisse, sahen jedoch in der Prognose für das vierte Quartal eine gewisse Vorsicht begründet.
Ähnlich positionierten sich andere Experten. Jefferies reduzierte das Kursziel auf 275 US-Dollar und bestätigte die Empfehlung „Hold“, während die Citigroup ihr Ziel von 301 auf 250 US-Dollar nach unten schraubte.
Als belastend werteten Marktbeobachter, dass das Wachstum der vertraglich zugesicherten, aber noch nicht abgerechneten Leistungen (RPO) mit acht Prozent erstmals seit Anfang 2023 nur noch im einstelligen Bereich lag.
Dennoch bleibt der operative Cashflow mit 2,52 Milliarden US-Dollar im abgelaufenen Quartal auf einem Rekordniveau, was Adobe zudem ermöglichte, im Berichtszeitraum rund 9,5 Millionen eigene Aktien zurückzukaufen.
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