Adobe macht an der französischen Riviera Nägel mit Köpfen. Auf dem Cannes Lions Festival präsentiert der Softwarekonzern am Montag eine massive Ausweitung seiner KI-Infrastruktur.

Die neue „CX Enterprise Coworker“-Plattform soll als agentische KI-Schicht Aufgaben quer durch die gesamte Adobe-Produktpalette steuern – von Photoshop bis Premiere Pro. Dafür hat Adobe namhafte Partner an Bord geholt: die Werbeholdings WPP und Omnicom, die Beratung Accenture sowie die KI-Entwickler Anthropic und Microsoft.

Die Idee: Unternehmen sollen ihre gesamte Content-Lieferkette automatisieren können. Vom personalisierten Newsletter bis zur individuellen Werbekampagne. Laut Unternehmensangaben hat der KI-gesteuerte Traffic auf Einzelhandelsseiten zwischen Ende 2024 und Mitte 2026 massiv zugelegt – Adobe reagiert mit einem Fokus auf KI-Suchbarkeit und Markenintegrität.

Marktbewertung im freien Fall

Doch die Börse zeigt sich bislang unbeeindruckt von der Innovationsoffensive. Die Adobe-Aktie notiert am Montag bei 169,16 Euro – ein Minus von knapp zwei Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 165,72 Euro beträgt mickrige zwei Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel rund 40 Prozent verloren.

Ein extremes Stimmungstief. Der 14-Tage-RSI liegt bei 28,8 – klar im überverkauften Bereich. Auch charttechnisch ist die Lage angespannt: Der Kurs dümpelt mehr als 32 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 251,71 Euro.

Analysten wittern eine Wende

Trotz der Kursschwäche sehen einige Beobachter Chancen. J.P. Morgan taxiert das Potenzial auf 74 Prozent Kursplus binnen zwölf Monaten. Die Begründung: Nach dem Ausverkauf sei die Bewertung schlicht zu günstig.

Das institutionelle Lager ist indes gespalten. SG Americas Securities stockte im ersten Quartal um 3,4 Prozent auf. Fisher Funds Management fuhr das Engagement dagegen um 36,5 Prozent zurück.

Hinzu kommen personelle Fragezeichen. Langzeit-CEO Shantanu Narayen hat seinen Rücktritt angekündigt, Finanzvorstand Dan Durn ist bereits gegangen. Die Unsicherheit über die Nachfolge belastet zusätzlich.

Rekordumsatz, aber keine Kurswende

Die fundamentale Gemengelage ist widersprüchlich. Adobe meldete für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar – ein Plus von 13 Prozent im Jahresvergleich. Ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm über 25 Milliarden Dollar soll zusätzlich Vertrauen schaffen.

Ob der neue KI-Vorstoß und die Finanzkraft reichen, um den Abwärtstrend zu brechen, ist offen. Der Kurs testet aktuell mehrjährige Tiefs. Die Vorstellung in Cannes liefert zumindest einen Grund für Optimisten, genauer hinzusehen.