Innerhalb einer Woche hat Adobe zwei seiner prägendsten Führungsfiguren verloren — und der Kurs zeigt, was Anleger davon halten. Am Mittwoch markierte die Aktie mit 165,72 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der leichte Erholungsversuch zum Wochenschluss auf 172,48 Euro wirkt angesichts eines Jahresverlustes von fast 40 Prozent wenig überzeugend.
Doppelter Führungswechsel erschüttert das Vertrauen
CFO Dan Durn verlässt Adobe Mitte Juni. CEO Shantanu Narayen hat seinen Rückzug angekündigt. Beide Meldungen kamen am 19. Juni — und lösten zunächst einen Kursrutsch von fast sieben Prozent aus.
Narayen hat Adobe über Jahrzehnte geprägt. Sein Abgang hinterlässt eine strategische Lücke, die Anleger derzeit schwer einzuschätzen wissen. Analysten sprechen von einem „Battleground Stock“ — einer Aktie, bei der fundamentale Stärke und strukturelle Unsicherheit direkt aufeinanderprallen. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm, das der Vorstand zuvor genehmigt hatte, soll die Verwässerung während der Übergangsphase begrenzen.
KI-Offensive trifft auf Monetarisierungszweifel
Einen Tag nach den Personalankündigungen präsentierte Adobe eine umfangreiche Erweiterung seines „Creative Agent“. Photoshop, Premiere Pro, Illustrator und InDesign erhalten KI-gestützte Markenkits und automatisierte Videoproduktion. Außerdem öffnet Adobe seine Plattform für externe Modelle: ChatGPT, Claude, Microsoft Copilot und Google Gemini lassen sich künftig einbinden.
Die Reaktion der Analysten fiel verhalten aus. TD Cowen senkte das Kursziel um rund zwölf Prozent. Der Grund: Unsicherheit darüber, wie viele Nutzer des kostenlosen Firefly-Angebots tatsächlich zu zahlenden Abonnenten werden. Baird zog nach und senkte sein Ziel in den mittleren 200-Dollar-Bereich — mit ähnlicher Begründung. Die Frage, wann sich die KI-Investitionen in echten Umsatz verwandeln, bleibt offen.
Starke Zahlen, schwache Stimmung
Das Quartalsergebnis selbst lieferte keinen Anlass zur Klage. Adobe meldete für das zweite Fiskalquartal 2026 einen Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar — 13 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über den Erwartungen von 6,45 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,96 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 5,82 Dollar.
Das institutionelle Bild ist gespalten. HSBC reduzierte seine Position Ende 2025 um knapp zehn Prozent. Der malaysische Pensionsfonds EPF stieg dagegen neu ein und kaufte Anteile im Wert von rund 147,6 Millionen Dollar.
Technisch am Limit
Der RSI liegt bei 30,3 — knapp an der Grenze zum überverkauften Bereich. Die Aktie notiert mehr als 16 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und fast 32 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 332,55 Euro trennen den Kurs inzwischen 48 Prozent.
Für das dritte Quartal erwartet Adobe einen Umsatz zwischen 6,67 und 6,72 Milliarden Dollar. Ob das reicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, hängt weniger von den Zahlen ab — als davon, wen Adobe als nächste Führungsgeneration präsentiert.
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