Rekordeinnahmen, angehobene Prognose — und trotzdem ein neues Jahrestief. Bei Adobe klaffen Fundamentaldaten und Kursentwicklung derzeit weit auseinander. Der Grund: Die Führungskrise überlagert alles.

Zahlen, die eigentlich überzeugen sollten

Im zweiten Fiskalquartal 2026 erzielte Adobe einen Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar — ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten nur 6,45 Milliarden erwartet. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 5,96 Dollar und übertraf die Schätzungen von 5,82 Dollar.

Auf dieser Basis hob Adobe die Jahresprognose an. Der Konzern rechnet nun mit einem Gesamtumsatz zwischen 26,5 und 26,6 Milliarden Dollar — zuvor lag die Spanne bei 25,9 bis 26,1 Milliarden. Das Non-GAAP-EPS-Ziel für das Gesamtjahr stieg auf 24,35 bis 24,45 Dollar.

Doppelte Führungslücke belastet das Vertrauen

Die starken Zahlen verpufften. CFO Dan Durn verlässt Adobe bereits am 15. Juni, um zu Marvell Technology zu wechseln. Steve Day, bisher Senior Vice President für Corporate Finance, übernimmt übergangsweise. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Der Abgang kommt zur Unzeit. CEO Shantanu Narayen hatte bereits im März seinen Rücktritt nach 18 Jahren angekündigt. Interne Kandidaten wie David Wadhwani und Anil Chakravarthy stehen offenbar zur Debatte — parallel läuft eine externe Suche. Zwei vakante Schlüsselpositionen gleichzeitig, mitten im Wettbewerb mit Canva und Figma: Das ist eine Kombination, die Märkte nicht mögen.

KI wächst, aber mit Preis

Adobes KI-Strategie zeigt Wirkung. Der KI-bezogene Jahresumsatz verdreifachte sich gegenüber dem Vorjahr auf über 500 Millionen Dollar. Die monatlich aktiven Nutzer von Acrobat und Express zusammen stiegen auf 850 Millionen — ein Zuwachs von 150 Millionen binnen eines Jahres.

Hinter diesem Wachstum steckt ein Freemium-Ansatz für Produkte wie Acrobat, Express und Firefly. Das Management räumte ein, dass diese Strategie kurzfristig auf das ARR-Wachstum drücken dürfte. Wachstum auf Kosten der Marge — das ist eine Wette, die Investoren derzeit kritisch bewerten.

Kurs auf Jahrestief, Rückkäufe als Stütze

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 188,62 Euro — exakt auf dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 34 Prozent verloren und notiert mehr als 47 Prozent unter dem Hochpunkt von 357,55 Euro vom Juni 2025. Der RSI liegt bei 34,4 und signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck.

Adobe stützt den Kurs mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm. Im abgelaufenen Quartal kaufte der Konzern 8,5 Millionen eigene Aktien zurück — Teil einer im April genehmigten Ermächtigung über 25 Milliarden Dollar. Ob das ausreicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Adobe die Führungsfrage löst.