Rekordumsätze und explodierende Nutzerzahlen bei neuen KI-Produkten sollten eigentlich für Euphorie sorgen. Bei Adobe klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit jedoch weit auseinander. Die Angst vor einer Entwertung der eigenen Software-Dominanz drückt schwer auf die Bewertung des Kreativ-Giganten.
Der Markt sorgt sich, dass künstliche Intelligenz klassische Kreativprogramme zunehmend überflüssig macht. Hinzu kommt ein Führungswechsel: Der Abgang des langjährigen CEOs nach 18 Jahren an der Spitze verunsichert Investoren. Das spiegelt sich drastisch im Kurs wider. Seit Jahresbeginn brach die Aktie um rund 27 Prozent auf zuletzt 206,20 Euro ein. Mit einem RSI-Wert von 8,8 gilt das Papier technisch als massiv überverkauft.
Auslöser für den jüngsten Abverkauf waren die Zahlen zum ersten Geschäftsquartal. Zwar stieg der Umsatz zweistellig auf 6,4 Milliarden Dollar. Parallel dazu verfehlte das neu gewonnene jährlich wiederkehrende Geschäft (Net-New ARR) mit 400 Millionen Dollar aber die Erwartungen deutlich. Dieser Fehlbetrag wog für viele Marktteilnehmer schwerer als der Rekordumsatz.
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Gespaltene Analysten und historische Bewertung
Für substanzorientierte Investoren ergibt sich daraus ein ungewohntes Bild. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne ist von über 21 auf rund 10 kollabiert. Das Management reagiert auf diesen Bewertungsabschlag. Bis April 2030 hat Adobe ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 25 Milliarden Dollar autorisiert.
Die Wall Street ist angesichts dieser Gemengelage extrem gespalten. Die Kursziele für die Aktie driften weit auseinander:
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- JPMorgan: 420 Dollar (Overweight) – lobt die Positionierung im KI-Bereich und neue Preismodelle.
- UBS: 260 Dollar – senkte das Ziel aufgrund kurzfristiger Unsicherheiten.
- Citi: 253 Dollar – reduzierte die Prognose nach den jüngsten Quartalszahlen.
- BNP Paribas: 265 Dollar – sieht nur moderates Aufwärtspotenzial.
KI-Wachstum als Gegenargument
Optimisten verweisen auf die starke Monetarisierung der neuen Werkzeuge. Der jährlich wiederkehrende Umsatz mit reinen KI-Lösungen hat sich im ersten Quartal im Jahresvergleich mehr als verdreifacht. Die Nutzung des Bildgenerators Firefly wuchs sequenziell um fast die Hälfte. Indes überschritt die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im Freemium-Bereich die Marke von 80 Millionen. Adobe positioniert sich zunehmend als zentrale Steuerungsebene über verschiedene KI-Plattformen hinweg.
Der nächste Fixpunkt für den Markt sind die Quartalszahlen im Juni. Ein zentrales Augenmerk liegt dann auf dem neu gewonnenen ARR im Digital-Media-Segment. Ein Wert über 450 Millionen Dollar würde signalisieren, dass die KI-Monetarisierung greift. Ein erneutes Verfehlen dürfte den Druck auf die Bewertung aufrechterhalten. Im gleichen Zeitraum wird der Abschluss der Semrush-Übernahme erwartet, die das Umsatzwachstum im laufenden Jahr um einen Prozentpunkt stützen soll.
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