Während das Unternehmen ehrgeizige Wachstumspläne bis zum Ende des Jahrzehnts verfolgt, rückt eine juristische Frist für Investoren immer näher. Bis zum 27. Juli 2026 haben Anleger Zeit, sich als Hauptkläger an mehreren Sammelklagen gegen den US-Rüstungskonzern zu beteiligen. Im Zentrum der Vorwürfe stehen mutmaßliche Falschangaben im Zusammenhang mit einem Prestigeprojekt der US-Streitkräfte.
Juristischer Druck durch das SCAR-Programm
Mehrere Kanzleien, darunter Robbins Geller Rudman & Dowd sowie Pomerantz LLP, werfen dem Unternehmen vor, Aktionäre über die Wettbewerbssituation beim SCAR-Programm (Satellite Communications Augmented Reality) getäuscht zu haben. Auslöser der Rechtsstreitigkeiten war eine am 20. Januar 2026 verhängte „Stop-Work-Order“ für die BADGER-Antennensysteme, woraufhin die Aktie deutlich einbrach. Weitere Belastungen folgten, als bekannt wurde, dass die US Space Force das Programm neu ausschreiben und die Lieferantenbasis diversifizieren werde.
Die Klagen konzentrieren sich auf den Zeitraum zwischen Juni 2025 und März 2026. In diese Phase fielen auch enttäuschende Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026, in dem AeroVironment einen operativen Verlust von 179 Millionen US-Dollar ausweisen musste. Maßgeblich hierfür war eine Goodwill-Abschreibung in Höhe von 151,3 Millionen US-Dollar, die im Kontext einer Vertragskündigung stand. Zudem kündigte das Unternehmen für Ende Juni 2026 eine rückwirkende Anpassung (Restatement) früherer Quartalszahlen an.
Rekordumsätze und Langfrist-Strategie 2030
Trotz der rechtlichen Auseinandersetzungen zeigt die operative Kurve im jüngsten Abschluss nach oben. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete AeroVironment einen Umsatzsprung auf 641,6 Millionen US-Dollar, was einem Zuwachs von mehr als 130 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 1,84 US-Dollar über dem Analystenkonsens von 1,47 US-Dollar. Die Integration der zugekauften Unternehmen BlueHalo und ESAero steuerte allein 282 Millionen US-Dollar zum Quartalsergebnis bei.
Für die kommenden Jahre setzt das Management auf eine massive Expansion. Bis zum Geschäftsjahr 2030 wird ein Umsatz zwischen 3,5 und 4 Milliarden US-Dollar angestrebt, getrieben durch die hohe Nachfrage nach autonomen Systemen. Aktuell beläuft sich der Auftragsbestand auf 2,7 Milliarden US-Dollar. Zu den jüngsten Vertragserfolgen gehört ein Auftrag über 30,9 Millionen US-Dollar für Puma-Drohnen aus Deutschland sowie ein Kontrakt über 117 Millionen US-Dollar für das P550-System der US Army. Das Geschäftsjahr 2027 ist dabei als Investitionsjahr geplant, in dem etwa 12 bis 14 Prozent des Umsatzes in Kapazitäten fließen sollen.
Marktposition und Kursentwicklung
An der Börse spiegelt sich die Zuversicht des Managements derzeit nur bedingt wider. Die AeroVironment-Aktie notiert aktuell bei 127,05 € und verzeichnete am heutigen Handelstag eine leichte Veränderung von -0,24 %. Das Papier steht unter erheblichem Druck und hat seit Jahresbeginn (YTD) 42,02 % an Wert verloren. Damit liegt der Kurs 64,23 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 354,30 €, das am 13. Oktober 2025 markiert wurde.
Mit einer Marktkapitalisierung von 6,41 Milliarden € befindet sich der Wert momentan 40,74 % unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 213,90 €. Gleichzeitig notiert der Titel 7,92 % über dem 52-Wochen-Tief von 117,45 €. Analysten bewerten die Lage uneinheitlich: Während Goldman Sachs die Aktie mit einem Kursziel von 326 US-Dollar weiterhin zum Kauf empfiehlt, senkte Canaccord das Ziel zuletzt auf 240 US-Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz zwischen 2,13 und 2,23 Milliarden US-Dollar.
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