Airbus erwartet bis 2045 ein Wachstum der weltweiten Flotte reiner Frachtflugzeuge um 46 Prozent. Die gestern veröffentlichte Prognose beschreibt damit einen langfristigen Bedarf an neuen Flugzeugen und Umbauten. Für Anleger ist das eine Nachfrageperspektive – aber noch kein Auftragseingang. Kurzfristig muss Airbus vor allem zeigen, dass sich die bestehenden Bestellungen auch in Auslieferungen umsetzen lassen.

Neubauten und Umbauten tragen den Bedarf

In seiner Frachtmarktprognose beziffert Airbus die weltweite Flotte auf 2.360 Flugzeuge im Jahr 2026. Bis zum Ende des Prognosezeitraums soll sie auf 3.460 Maschinen wachsen. Es handelt sich um eine Erwartung für den Gesamtmarkt, nicht um eine Absatzprognose für Airbus allein.

Dabei unterscheidet der Konzern zwischen neu gebauten Frachtflugzeugen und umgerüsteten Passagiermaschinen. Diese Aufteilung ist für die Einordnung entscheidend: Die erwartete Nachfrage lässt sich nicht vollständig mit dem Verkauf neuer Flugzeuge gleichsetzen.

Insgesamt veranschlagt Airbus einen Bedarf von 2.670 Frachtflugzeugen. Davon sollen 970 auf Neubauten und 1.700 auf Umbauten von Passagier- zu Frachtmaschinen entfallen. Der größere Teil des prognostizierten Bedarfs liegt damit im Umbaugeschäft.

Für Anleger liefert die Prognose vor allem einen langfristigen Orientierungsrahmen. Sie beschreibt die erwartete Entwicklung des Frachtmarkts, enthält aber keine entsprechenden Airbus-Vertragsabschlüsse. Konkrete Bestellungen und die Fähigkeit zur Auslieferung bleiben deshalb die unmittelbareren Maßstäbe für das Geschäft.

Auslieferungen bleiben der kurzfristige Prüfstein

Einen verbindlichen Auftrag meldete Airbus am 16. Oktober von Aviation Capital Group: Das Unternehmen bestellte 75 Flugzeuge der A320neo-Familie. Damit stiegen dessen historische Bestellungen für diesen Flugzeugtyp auf 190 Maschinen.

Dieser Auftrag betrifft ein anderes Marktsegment als die Frachtprognose. Er unterstreicht zugleich die Unterscheidung zwischen langfristigen Markterwartungen und bereits vereinbartem Geschäft. Für Airbus kommt es operativ darauf an, die Nachfrage mit der Produktion zusammenzuführen.

Am Dienstag erklärte Lars Wagner, Chef von Airbus Commercial Aircraft, Medienberichten zufolge, Airbus erwarte weiterhin, sein Auslieferungsziel von rund 870 Flugzeugen für 2026 zu erreichen. In den ersten neun Monaten wurden 547 Maschinen ausgeliefert.

Wagner zufolge befinden sich die noch auszuliefernden Flugzeuge bereits auf den Endmontagelinien. Diese Aussage stützt die Erwartung des Unternehmens, ersetzt aber nicht die tatsächliche Übergabe an die Kunden.

Der nächste Termin für die finanzielle Einordnung ist der 28. Oktober. Dann plant Airbus die Veröffentlichung seiner Neunmonatsergebnisse sowie eine Analystenkonferenz. Die Frachtprognose liefert die langfristige Perspektive; beim Zahlenbericht rückt die Umsetzung im laufenden Geschäft in den Vordergrund.