Die heute veröffentlichte Auslieferungsanalyse von Jefferies deutet bei Airbus auf einen schwachen Oktober hin. Allerdings könnten verzögerte Erfassungen das Bild verzerren. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, ob der Flugzeugbauer sein bestätigtes Jahresziel trotz des hohen Lieferbedarfs im Schlussquartal erreichen kann.

Oktober-Zahlen mit erheblichem Vorbehalt

Nach Daten von Cirium, die Jefferies heranzieht, lieferte Airbus im Oktober 65 Flugzeuge aus. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die bereinigte Auswertung von Jefferies kommt dagegen auf 77 Auslieferungen.

Die Abweichung ist für die Bewertung entscheidend: Cirium kann Übergaben mit Verzögerung erfassen. Die niedrigere Zahl sollte deshalb nicht als abschließend bestätigtes Monatsergebnis verstanden werden. Auch die bereinigte Zahl ist eine Auswertung des Analysehauses und keine hieraus abzuleitende Bestätigung durch Airbus.

Ein weiteres Signal liefern die Erstflüge. Airbus absolvierte im Oktober nach der Jefferies-Auswertung 77 davon; für November erwartet das Haus etwa 90–95. Diese Erwartung beschreibt mögliche Fortschritte im Produktionsablauf, noch keine abgeschlossenen Auslieferungen.

Jahresziel verlangt deutlich höheres Tempo

Airbus hält für 2026 an rund 870 Verkehrsflugzeug-Auslieferungen fest. Bis Ende September hatte das Unternehmen 547 Maschinen übergeben.

Damit liegt die Herausforderung weniger bei der Nachfrage als bei der Umsetzung. Entscheidend ist, ob Airbus ausreichend Flugzeuge fertigstellen und an Kunden übergeben kann. Triebwerke und andere kritische Komponenten bleiben dabei zentrale Risikofaktoren.

Für das Schlussquartal sind zur Zielerreichung 323 Auslieferungen erforderlich. Das entspricht rund 108 Maschinen monatlich, nachdem der Monatsdurchschnitt der ersten neun Monate bei rund 61 gelegen hatte.

Die Oktober-Auswertung liefert damit noch keine Entwarnung für den erforderlichen Endspurt. Airbus erwartet zwar, die benötigten Triebwerke trotz der Engpässe bei Pratt & Whitney zu erhalten. Diese Erwartung bleibt aber von der tatsächlichen Versorgung zu unterscheiden.

Kapazitätsausbau löst kurzfristige Engpässe nicht

Wie groß die Nachfragebasis ist, zeigt der Auftragsbestand: Ende September standen 9.310 Verkehrsflugzeuge in den Büchern. In den ersten neun Monaten verbuchte Airbus 1.105 Nettoaufträge.

Parallel arbeitet das Unternehmen am Ausbau seiner Kapazitäten. Am Mittwoch kündigte Airbus für den Standort Mirabel ein neues Zentrum für Personal, Qualität und Flugsicherheit an. Zusätzliche Flugtestkapazitäten und weitere Parkflächen sind vorgesehen; abgeschlossen sind diese Vorhaben noch nicht.

Für das A220-Programm strebt Airbus bis 2028 eine Produktion von 13 Flugzeugen monatlich an.

Der Ausbau stützt die längerfristigen Produktionspläne, ersetzt aber keine kurzfristig verfügbaren Triebwerke und Komponenten. Für die Jahreszielerreichung bleibt deshalb die operative Lieferfähigkeit ausschlaggebend. Die Oktober-Zahlen verschärfen den Prüfbedarf, erlauben wegen ihrer unterschiedlichen Erfassung jedoch noch kein abschließendes Urteil.