Airbus erwartet langfristig deutlich mehr Frachtflugzeuge, muss beim Produktionshochlauf der A320neo-Familie aber mit Engpässen umgehen. Die am Mittwoch veröffentlichte Frachtmarktprognose unterstreicht das Nachfragepotenzial. Für Anleger liegt die entscheidende Unterscheidung zwischen diesem langfristigen Bedarf und der Fähigkeit, bestellte Maschinen tatsächlich auszuliefern. Die nächsten Geschäftszahlen sind für den 28. Oktober angekündigt.
Frachtmarkt bietet langfristiges Potenzial
Nach der neuen Airbus-Prognose soll die weltweite Flotte reiner Frachtflugzeuge um 46 Prozent wachsen: von 2.360 Maschinen im Jahr 2025 auf 3.460 Flugzeuge im Jahr 2045.
Damit beschreibt Airbus einen langfristigen Expansionsmarkt. Die Prognose ist allerdings keine Auftragsmeldung und lässt sich nicht mit künftigen Airbus-Auslieferungen gleichsetzen. Für die Einordnung zählt diese Trennung: Ein erwarteter Marktbedarf ist noch kein gesicherter Umsatz.
Den Bedarf an neuen Frachtflugzeugen beziffert Airbus auf 2.670 Maschinen. Auch im Passagiergeschäft sieht das Unternehmen langfristige Nachfrage. Für Lateinamerika prognostizierte Airbus am 19. Oktober einen Bedarf von 2.720 neuen Passagierflugzeugen bis 2045.
Beide Prognosen stützen das Bild eines langfristig aufnahmefähigen Marktes. Sie beantworten jedoch nicht die kurzfristige Frage, wie schnell Airbus seine Fertigung ausweiten kann.
Triebwerke begrenzen den Hochlauf
Medienberichten vom 19. Oktober zufolge hat Airbus sein Produktionsziel für die A320neo-Familie angepasst. Bis Ende 2027 sollen monatlich 70 bis 75 Flugzeuge entstehen. Danach soll sich die Fertigung bei 75 Maschinen pro Monat stabilisieren.
Als Grund nennen die Berichte Einschränkungen bei der Triebwerksversorgung durch Pratt & Whitney. Der begrenzende Faktor liegt damit nicht allein auf der Nachfrageseite. Für die Bewertung des Hochlaufs ist ebenso wichtig, ob die benötigten Triebwerke verfügbar sind.
Ein konkretes Nachfragesignal lieferte Aviation Capital Group am 16. Oktober mit einer Bestellung von 75 Flugzeugen der A320neo-Familie. Die Auslieferungen sind von 2032 bis 2035 vorgesehen. Der Auftrag umfasst zudem Umwandlungsrechte zwischen Varianten der Flugzeugfamilie.
Quartalsbericht als nächster Prüfstein
Die Bestellung bietet langfristige Perspektive, liegt mit ihrem Lieferfenster aber deutlich hinter dem Zeitraum des angepassten Produktionsziels. Sie ist deshalb kein Beleg dafür, dass die kurzfristigen Lieferengpässe überwunden sind.
Mit den angekündigten Zahlen zum dritten Quartal 2026 rückt nun die operative Entwicklung in den Vordergrund. Die langfristigen Marktprognosen liefern dafür den Hintergrund. Entscheidend für die nähere Geschäftsentwicklung bleibt, wie Airbus den Produktionshochlauf unter den genannten Lieferbeschränkungen umsetzt.
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