Airbus traut sich selbst einiges zu: Der Konzern will seinen bereinigten Gewinn binnen drei Jahren fast verdoppeln — und spendiert seinen Aktionären gleich noch ein milliardenschweres Rückkaufprogramm obendrauf. Für einen Sektor, der jahrelang mit Lieferketten-Problemen kämpfte, ist das ein ungewöhnlich selbstbewusstes Signal.

Auf einer Investorenveranstaltung in London kündigte Konzernchef Guillaume Faury am Dienstagabend an, den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern bis 2029 auf 12 bis 13 Milliarden Euro zu steigern. Zum Vergleich: 2025 kam Airbus auf 7,13 Milliarden Euro, für das laufende Jahr peilt der Vorstand rund 7,5 Milliarden Euro an. Der Verwaltungsrat plant zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro, verteilt auf drei Jahre.

Commercial Aircraft soll den Löwenanteil liefern

Die Wachstumslast trägt vor allem das Kerngeschäft mit Passagierjets. Rund 10 Milliarden Euro operativen Gewinn soll die Sparte 2029 beisteuern — fast doppelt so viel wie 2025. Verantwortlich dafür ist seit wenigen Monaten Lars Wagner, zuvor Chef des Triebwerksbauers MTU Aero Engines.

Die Rechnung dahinter: Airbus will die A320neo-Produktion bis 2027 auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat hochfahren, bevor über weitere Steigerungen nachgedacht wird. Der kleinere A220 soll 2028 bei einer Monatsproduktion von 13 Stück die Gewinnschwelle erreichen. Defence & Space sowie das Hubschraubergeschäft tragen mit jeweils rund 1,3 und 1,2 Milliarden Euro deutlich weniger zum Konzernergebnis bei, sollen aber ebenfalls zulegen.

Möglich wird der Ausblick auch, weil sich die Engpässe bei Triebwerken langsam lösen. Pratt & Whitney meldete, die Zahl der wegen Triebwerksproblemen am Boden stehenden Flugzeuge sei gegenüber dem Höchststand um 40 Prozent gesunken. Airbus drängt dennoch auf mehr Liefermengen von Pratt & Whitney für 2027 und hofft auf zusätzliche Stückzahlen vom Alternativlieferanten CFM. Für 2026 bleibt das Ziel von 870 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen bestehen — mehr als der bisherige Rekord von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019. Im ersten Halbjahr legten die Auslieferungen bereits um 15 Prozent zu.

Großraumjet als nächster Baustein

Größere Ambitionen hegt Airbus im Langstreckensegment. Spartenchef Wagner sieht Spielraum, die A350-Produktion über die für 2028 geplanten 12 Maschinen pro Monat hinaus zu steigern — getrieben von starker Nachfrage nach großen Großraumjets.

Parallel prüft der Konzern eine verlängerte A350-Version, inoffiziell als A350-2000 gehandelt, die Boeings verspätete 777X direkt herausfordern würde. Airbus bestätigte, verschiedene Weiterentwicklungen zu untersuchen, betonte aber, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Laut Rolls-Royce-Chef Tufan Erginbilgic könnte diese Entscheidung innerhalb der kommenden zwölf Monate fallen, eine Indienststellung wäre dann frühestens Anfang der 2030er Jahre denkbar.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Boeings Konkurrenzmodell 777X kommt mit sieben Jahren Verspätung, größter Kunde Emirates rechnet nun mit der ersten Maschine Mitte 2027. Für Airbus eröffnet sich dadurch ein Zeitfenster, das der Flugzeugbauer offenbar zu nutzen versucht — auch wenn Wagner selbst betont, dass eine Entwicklung von Triebwerk und Flugwerk sechs bis sieben Jahre in Anspruch nehmen dürfte.