Aixtron hat im zweiten Quartal 2026 einen Auftragseingang verbucht, der die Markterwartungen klar übertroffen hat – trotz rückläufigem Umsatz und schwächerem Gewinn. Der Anlagenbauer für die Halbleiterindustrie meldete am 30. Juli einen Auftragseingang von 215 Millionen Euro, ein Plus von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten im Konsens von Visible Alpha nur mit 186 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz sank dagegen um 16 Prozent auf 115 Millionen Euro, das EBIT fiel um 38 Prozent auf 14,7 Millionen Euro. Die operative Marge gab um vier Prozentpunkte auf 13 Prozent nach, lag damit aber noch über der von Analysten erwarteten Marke von rund 12 Prozent.

Optoelektronik treibt die Bestellungen, Leistungselektronik bleibt schwach

Der Auftragsschub kam fast ausschließlich aus einem Segment: Optoelektronik machte im zweiten Quartal rund 75 Prozent des Equipment-Auftragseingangs aus. Treiber ist ein architektonischer Wandel in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, bei dem die exponentiell wachsende Rechenleistung schnellere optische Verbindungen anstelle klassischer Kupferverkabelung erfordert. Ganz anders sieht es im Bereich Leistungselektronik aus. Die Segmente für Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Leistungshalbleiter leiden weiter unter schwacher Nachfrage. Zwar steigen die Auslastungsraten der Kunden allmählich, einen klaren Wendepunkt zur vollständigen Markterholung gibt es laut Unternehmensangaben aber noch nicht.

Auf der Bilanzseite steht Aixtron deutlich besser da als noch vor einem Jahr. Der freie Cashflow im ersten Halbjahr 2026 erreichte 162 Millionen Euro, ein Zuwachs von 91 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. Die Nettofinanzmittel wuchsen bis zum 30. Juni auf 467 Millionen Euro, ein Plus von 242 Millionen Euro gegenüber Jahresende 2025 – getragen vom starken Cashflow und dem Nettoeffekt einer Wandelanleihe, teils gedämpft durch eine Dividendenzahlung von 17 Millionen Euro. Zum Quartalsende verfügte der Konzern über eine Gesamtliquidität von 816 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Aixtron die Umsatzguidance von rund 560 Millionen Euro mit einer möglichen Abweichung von 30 Millionen Euro nach oben oder unten, bei einer Bruttomarge von 42 Prozent und einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent. Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 180 Millionen Euro in Aussicht, ebenfalls mit einem Spielraum von 20 Millionen Euro.

Analysten uneins über die Bewertung

Die Reaktionen der Analysehäuser fielen gemischt aus. JPMorgan senkte das Kursziel für Aixtron nach den Zahlen von 70 auf 60 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Overweight“. Die Privatbank Berenberg bestätigte ihre Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 42 Euro. Der Auftragseingang sei glänzend gewesen, hieß es von Berenberg-Seite, nach dem Kursrückschlag im Juni sei die Aktie zwar attraktiver bewertet, aber noch längst nicht günstig.

Der Kursverlauf der vergangenen Wochen erklärt diese Vorsicht. Vom Jahreshoch bei 62,68 Euro Mitte Juni war die Aktie bis zum 29. Juli auf ein Zwischentief von 31,42 Euro eingebrochen – mehr als die Hälfte des Wertes verschwand nach der vorangegangenen Kursvervielfachung binnen wenigen Wochen. Ausgelöst wurde der Rückschlag durch eine sektorweite Gewinnmitnahmewelle bei Profiteuren des KI-Booms, nicht durch unternehmensspezifische Probleme.

Erholung nimmt Fahrt auf

Seither hat sich die Aktie merklich erholt. Am Freitag schloss das Papier bei 40,19 Euro, ein Tagesplus von 2,97 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 10,32 Prozent, was die Erholungsbewegung seit dem Juli-Tief unterstreicht. Zum bisherigen Jahreshoch bleibt allerdings weiterhin ein Abstand von 35,88 Prozent – die Aktie hat den Kurssturz also erst teilweise wettgemacht. Rückenwind kam zuletzt auch vom Sektor: Am 7. August profitierte Aixtron von einer breiteren Erholung im europäischen Chipsektor, begleitet von steigenden Kursen bei Infineon und Süss Microtec. Auslöser war ein positives Signal aus den USA, wo Microchip Technology mit einer Rückkehr in die Gewinnzone und einem über den Erwartungen liegenden Ausblick überraschte.

Operativ liefert Aixtron weiter Nachrichten aus dem Geschäft: Ende Juli teilte das Unternehmen mit, mit seiner Technologie den nächsten Entwicklungsschritt der malaysischen Halbleiterindustrie zu unterstützen und dort eine hochmoderne Anlage zu errichten. Ob sich der positive Trend im Auftragseingang im dritten Quartal fortsetzt, dürfte für die weitere Kursentwicklung entscheidend sein – die nächste Standortbestimmung liefert die Q3-Berichterstattung, für die noch kein konkreter Termin feststeht.