Aixtron zeigt ein zweigeteiltes Bild. Während der Auftragseingang im zweiten Quartal um 81 Prozent auf 214,5 Millionen Euro sprang, brach der Umsatz im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro ein. Die Aktie des Anlagenbauers für die Halbleiterindustrie reagiert darauf mit deutlichen Kursgewinnen und notiert am Mittwoch bei 43,30 Euro, ein Plus von 2,9 Prozent.
Starke Bestellungen, schwache Erträge
Der scharfe Kontrast zwischen Auftragslage und Ertragskraft prägt die jüngste Berichterstattung. Das operative Ergebnis (EBIT) rutschte im ersten Halbjahr auf minus 7,6 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 26,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Positiv fällt dagegen der Free Cashflow aus: Er verbesserte sich auf 162,1 Millionen Euro, mehr als doppelt so hoch wie die 71,1 Millionen Euro aus dem Vorjahreshalbjahr. Berenberg-Analyst Gustav Froberg bezeichnete den Auftragseingang nach Vorlage der Zahlen als „glänzend“, stufte die Aktie aber auf „Hold“ mit einem Kursziel von 42,00 Euro ein.
Aixtron bestätigte zugleich die im April angehobene Jahresprognose: Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 560 Millionen Euro plus/minus 30 Millionen Euro, einer Bruttomarge von rund 42 Prozent und einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.
Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 180 Millionen Euro plus/minus 20 Millionen Euro in Aussicht. Der schwache Umsatz im ersten Halbjahr soll demnach im weiteren Jahresverlauf deutlich aufgeholt werden.
Kapazitätsausbau und Finanzierung
Parallel zur Zahlenvorlage meldete Aixtron den Beginn der Erdarbeiten für einen neuen Produktionsstandort in Penang, Malaysia. Der Ausbau soll die Kapazitäten des Unternehmens erweitern und die im April platzierte Nullkupon-Wandelanleihe über 450 Millionen Euro nutzen, die laut Unternehmensangabe der langfristigen Finanzierung des Produktionshochlaufs dient.
Medienberichten zufolge steht Aixtron zudem vor dem Auslieferungsstart größerer Laser-Systeme ab dem dritten Quartal 2026. Diese Systeme sollen die hohe Nachfrage im Bereich optischer Verbindungen für KI-Rechenzentren bedienen – ein Wachstumsfeld, das die jüngste Auftragsdynamik zusätzlich erklären könnte.
Analystenmeinungen bleiben gespalten
Am 31. Juli, im direkten Nachgang zu den Quartalszahlen, fielen die Einschätzungen unterschiedlich aus: Jefferies beließ die Einstufung bei „Buy“ mit einem Kursziel von 44,00 Euro, während die DZ Bank bei „Halten“ mit einem Kursziel von 40,00 Euro verharrte.
JPMorgan bekräftigte am selben Tag die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 70,00 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Am 3. August bestätigte das Haus diese Einschätzung erneut.
Die Aktie hat sich seit ihrem Jahrestief im Oktober 2025 kräftig erholt und liegt seit Jahresbeginn 150 Prozent im Plus. Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch aus dem Juni ist das Papier jedoch noch rund ein Drittel entfernt.
Für Anleger bleibt damit die Kernfrage, ob der kräftige Auftragsschub aus dem KI-Boom die schwachen Halbjahreszahlen überstrahlen kann – die jüngste Kursreaktion deutet zumindest darauf hin, dass der Markt dieser Wette mehrheitlich folgt.
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