JPMorgan hat sein Kursziel für Aixtron am Montag von 70 auf 60 Euro gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber bestätigt. Die Anpassung kommt trotz eines Auftragsbooms, den der Chipanlagenbauer aus Herzogenrath zuletzt vermeldet hat – ein Hinweis darauf, dass Analysten nach der starken Kursrally der vergangenen Monate genauer hinschauen, wie viel positive Entwicklung im Kurs bereits eingepreist ist.
Auftragsbuch füllt sich weiter
Aixtron meldete für Juli einen Auftragseingang von 95 Millionen Euro. Das Management sprach von einem „ausgeprägten Order-Momentum“ und verwies darauf, dass Kunden bereits Bestellungen bis in die Jahre 2027 und 2028 platzieren. Das unterstreicht die Visibilität, die dem Unternehmen derzeit für die kommenden Geschäftsjahre zur Verfügung steht.
Für das zweite Quartal hatte Aixtron Ende Juli bereits einen Auftragseingang von 214,5 Millionen Euro ausgewiesen, ein Plus von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das erste Halbjahr insgesamt summierten sich die Bestellungen auf 386,0 Millionen Euro, ein Zuwachs von 54 Prozent. Optoelektronische Systeme trugen mit rund 75 Prozent den größten Teil zu den Anlagenaufträgen im zweiten Quartal bei – ein Segment, das für die Fertigung von Lasern und Leistungshalbleitern zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Auf Basis dieser Auftragslage bestätigte Aixtron seine Prognosen. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 180 Millionen Euro, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 20 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 bleibt die Zielmarke bei 560 Millionen Euro Umsatz, ebenfalls mit einem Puffer von 30 Millionen Euro nach oben oder unten. Die Bruttomarge soll bei rund 42 Prozent liegen, die EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.
Kriegskasse deutlich gefüllt
Finanziell hat sich Aixtron im laufenden Jahr breiter aufgestellt. Im April platzierte das Unternehmen eine Wandelanleihe über 450 Millionen Euro. Die liquiden Mittel wuchsen dadurch auf 816,2 Millionen Euro, verglichen mit 224,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025. Der freie Cashflow im ersten Halbjahr lag bei 162,1 Millionen Euro, deutlich über den 71,1 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum – gestützt auch durch höhere Anzahlungen der Kunden.
Mit dieser finanziellen Ausstattung im Rücken hat Aixtron in Penang, Malaysia, die Erdarbeiten für einen neuen Produktionsstandort begonnen. Der Schritt signalisiert, dass das Unternehmen seine Fertigungskapazitäten angesichts der gut gefüllten Auftragsbücher ausbaut, statt nur den bestehenden Bedarf abzuarbeiten.
Analysten uneinheitlich, Kurs unter Druck
Trotz der operativen Stärke bleibt das Bild unter Analysten gemischt. Nach der jüngsten Zählung stufen vier Analysten die Aktie mit Kaufen ein, einer mit Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 59,80 Euro. JPMorgans Kürzung auf 60 Euro reiht sich damit nahe an diesen Konsens ein, auch wenn die Bank die grundsätzlich positive Einschätzung nicht revidiert hat.
Am Kapitalmarkt hat sich die Erwartungshaltung entsprechend eingetrübt. Die Aktie schloss am Freitag bei 40,19 Euro, ein Plus von 2,97 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursgewinn von 132,25 Prozent zu Buche – ein Vielfaches dessen, was am breiten Markt üblich ist. Gleichzeitig liegt der Kurs rund 35,88 Prozent unter dem am 18. Juni markierten 52-Wochen-Hoch von 62,68 Euro. Die Kombination aus operativer Dynamik und einer bereits eingepreisten Rally dürfte erklären, warum Analysten trotz Rekordaufträgen vorsichtiger kalkulieren als noch vor wenigen Monaten.
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