Aixtron traut seinem Wachstumssegment Optoelektronik einen kräftigen Sprung zu. Auf einer Konferenz der Deutschen Bank in London bezifferte IR-Chef Christian Ludwig den Umsatz mit entsprechenden Anlagen für 2026 auf 220 bis 240 Millionen Euro – nach rund 100 Millionen Euro im Vorjahr. Für 2027 stellte er mehr als 400 Millionen Euro in Aussicht. Damit würde sich der Bereich innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfachen.

Die Zahlen fügen sich in ein Bild, das sich bereits mit den Halbjahresergebnissen vor rund einem Monat abzeichnete. Der Optoelektronik-Anteil am Geräte-Umsatz war im ersten Halbjahr auf 54 Prozent geklettert, nach nur 9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig brach der Anteil der Leistungselektronik auf 22 Prozent ein, der Bereich Siliziumkarbid kollabierte förmlich auf 6 Prozent.

Aixtron durchläuft damit einen tiefgreifenden Strukturwandel: Das einstige Zugpferd Leistungshalbleiter tritt in den Hintergrund, Optoelektronik-Anwendungen wie sie für Datenübertragung und Displays benötigt werden, übernehmen die Rolle als Wachstumstreiber.

Auftragslage stützt die Prognose

Der Umbau kommt nicht ohne Kosten. Der Konzernumsatz sank im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro, das EBIT rutschte mit minus 7,6 Millionen Euro in die roten Zahlen – nach einem Plus von 26,9 Millionen Euro im Vorjahr.

Für Anleger dürfte dennoch die Auftragsentwicklung entscheidender sein: Der Auftragseingang legte im zweiten Quartal um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Das signalisiert, dass die Nachfrage nach den neuen Anlagen früh genug einsetzt, um die schwächelnden alten Segmente aufzufangen.

Für das laufende Jahr hält Aixtron an seiner Prognose fest: 560 Millionen Euro Umsatz, plus/minus 30 Millionen, bei einer Bruttomarge von rund 42 Prozent und einer EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.

Für das dritte Quartal erwartet der Konzern 180 Millionen Euro Umsatz mit einer Schwankungsbreite von 20 Millionen Euro nach oben und unten, für das vierte Quartal rund 200 Millionen Euro. Der Optoelektronik-Ausblick von London passt zu dieser Guidance und liefert die Erklärung, woher das erwartete Wachstum im zweiten Halbjahr kommen soll.

Deutsche Bank bleibt bei Hold

Die Deutsche Bank bestätigte am Freitag ihre Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 43,00 Euro, ohne die Bewertung zu verändern. Das Institut sieht die Wachstumsstory demnach bereits weitgehend im Kurs eingepreist.

An der Börse notierte die Aixtron-Aktie zuletzt bei 36,23 Euro, nach einem Plus von 1,8 Prozent am Freitag. Auf Wochensicht steht ein leichtes Minus von 1,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht ein Rückgang von 5,3 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 62,68 Euro, erreicht im Juni, trennen das Papier derzeit 42 Prozent. Gleichzeitig liegt der Kurs mehr als das Dreifache über dem 52-Wochen-Tief von 11,68 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres – ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite, die die Aktie seither durchlaufen hat.

Der geplante Produktionsstandort in Penang, dessen Baubeginn vor rund einem Monat verkündet wurde, soll ab dem Frühjahr 2027 zusätzliche Kapazitäten für Montage und Test liefern und die steigende Nachfrage aus dem Optoelektronik-Geschäft flankieren. Investitionen von 40 Millionen Euro sind dafür bis Mitte 2027 vorgesehen, ein Stellenabbau in Europa ist damit laut Unternehmensangaben nicht verbunden.