Goldman Sachs hat Allianz Mitte April auf „Kaufen“ hochgestuft. Das neue Kursziel von 450 Euro impliziert rund 17 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von 384,90 Euro. Zeitgleich schloss der Konzern eine Milliarden-Kapitalmarkttransaktion ab — und zwei wichtige Termine rücken näher.
Frisches Kapital, starke Basis
Am 22. April begab Allianz SE Perpetual-Anleihen im Volumen von 750 Millionen US-Dollar. Der Kupon liegt bei 6,5 Prozent. Die Papiere zählen als Restricted-Tier-1-Kapital nach Solvency II — das stärkt die regulatorische Eigenkapitalbasis.
Die ist ohnehin komfortabel. Die Solvency-II-Quote lag zuletzt bei 218 Prozent. Die Emission ist also keine Notfallmaßnahme, sondern aktives Kapitalstrukturmanagement.
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Warum Goldman Sachs jetzt kauft
Goldman Sachs begründet das Upgrade mit einem höheren Bewertungsansatz. Das Kurs-zu-bereinigtem-Buchwert-Vielfache für 2027 steigt auf 1,8x, die Gewinnschätzungen je Aktie für 2027 kletterten um rund 2 Prozent.
Ein weiterer Treiber: KI. Allianz investiert jährlich rund 6,5 Milliarden Euro in Technologie — mehr als jeder andere globale Versicherer. Goldman sieht Produktivitätspotenziale von 10 bis 30 Prozent durch den KI-Einsatz. Konzernweit laufen bereits mehr als 900 KI-Anwendungsfälle. Das hauseigene GenAI Lab hat über 30.000 KI-Agenten entwickelt. Im laufenden Jahr rollt Allianz die interne Plattform AllianzGPT 2.0 für alle Mitarbeiter aus.
Kreditversicherung sendet Warnsignal
Nicht alles zeigt nach oben. Die Tochter Allianz Trade hat ihre globale Insolvenzprognose für 2026 erneut angehoben: Weltweit rechnet sie nun mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent — nach 5 Prozent noch im Oktober 2025. Geopolitik und Handelskonflikte treiben die Zahlen.
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Für Deutschland erwartet Allianz Trade rund 24.650 Insolvenzen. Das wäre der höchste Stand seit 2012. Bau, Einzelhandel und Fertigung sind besonders exponiert.
Zwei Termine im Mai
Am 7. Mai findet die Hauptversammlung in München statt. Aktionäre stimmen über das „Authorized Capital 2026″ ab, das dem Vorstand mehr Spielraum bei der Kapitalstruktur geben soll. Außerdem steht das überarbeitete Vergütungssystem zur Abstimmung: Langfristboni sollen künftig verfallen, wenn die Allianz-Aktie den STOXX Europe 600 Insurance Index über vier Jahre um mehr als 25 Prozentpunkte unterperformt — bisher galt eine Schwelle von 50 Punkten. Das ist eine deutliche Verschärfung.
Am 13. Mai folgt die Quartalsmitteilung inklusive Analystenkonferenz. Dann zeigt sich, ob die starke Performance aus 2025 in das neue Jahr trägt — und ob Goldman Sachs mit seiner Neubewertung richtig liegt.
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