Bei Allianz spricht vor den Quartalszahlen am 12. November nicht nur die erwartete Ertragsentwicklung für Zuversicht. Auch die Kapitalausstattung hat sich verbessert. Zugleich verdienen die nicht börsengehandelten Anlagen Aufmerksamkeit. Die heute veröffentlichten Einschätzungen von Berenberg verbinden deshalb einen optimistischen Ergebnisausblick mit einer Einordnung der Risiken im Anlagebestand.

Nicht börsengehandelte Anlagen als Prüfpunkt

Rund ein Drittel der Allianz-Anlagen ist nicht börsengehandelt. Berenberg beziffert das damit verbundene Aktionärsrisiko auf etwa 59 Mrd. €. Rechenzentrumskredite machen rund 5 Mrd. € aus.

Diese Beträge sind keine gemeldeten Verluste. Sie beschreiben die von Berenberg betrachteten Risiken und Engagements. Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend: Die Größenordnung allein beantwortet noch nicht die Frage, wie stark solche Anlagen das Ergebnis tatsächlich belasten könnten.

Als Gegengewicht steht die Kapitalausstattung. Die Solvenzquote erreichte im Juni 2026 einen Wert von 225 %. Berenberg verweist damit auf eine Verbesserung gegenüber Ende 2023.

Die Einordnung fällt deshalb differenzierter aus als eine reine Warnung vor schwer bewertbaren Anlagen. Der Bestand verdient Aufmerksamkeit, während der gestärkte Kapitalpuffer zur Beurteilung der Belastbarkeit beiträgt. Beides gehört zur Bewertung der Allianz und lässt sich nicht auf eine einzelne Risikozahl reduzieren.

Ertragsstärke soll höhere Schäden abfedern

Für das dritte Quartal 2026 erwartet Berenberg-Analyst Michael Huttner Naturkatastrophenschäden, die um 300 Mio. € über dem Vorquartal liegen. Rund 100 Mio. € zusätzlicher Gewinn aus der Vermögensverwaltung sollen einen Teil davon ausgleichen.

Die erwartete Entwicklung zeigt, warum der Blick auf einzelne Schadenpositionen zu kurz greift. Huttner setzt insbesondere auf die starke Entwicklung von Pimco und robuste Erträge im Lebensversicherungsgeschäft. Diese Bereiche sollen die höheren Belastungen teilweise auffangen und den Gesamtausblick stützen.

Nach neun Monaten erwartet der Analyst einen operativen Gewinn von 14 Mrd. €. Für das Gesamtjahr 2026 liegt die Prognosespanne der Allianz bei 16,4–18,4 Mrd. €.

Quartalsbericht muss Erwartungen bestätigen

Am 12. November legt Allianz die Zahlen für das dritte Quartal 2026 vor. Huttner erwartet zu diesem Termin eine Ausrichtung der Jahresprognose zum oberen Ende der Spanne.

Das ist eine Analystenerwartung und noch keine Entscheidung des Unternehmens. Der Quartalsbericht muss zeigen, ob Vermögensverwaltung und Lebensversicherung die erwartete Ertragsstärke liefern. Für Anleger zählt damit das Zusammenspiel aus Schadenbelastung, Ergebnisbeiträgen und Kapitalausstattung – nicht allein die Höhe der nicht börsengehandelten Anlagen.