Der globale Versicherungsmarkt wächst so stark wie seit Jahren nicht — und Allianz sitzt an der Quelle. Allianz Research legte Ende Mai den „Global Insurance Report 2026″ vor, der die strukturellen Rückenwinde für die Branche in Zahlen gießt. Für die Aktie selbst bleibt der Aufwärtsschwung allerdings vorerst aus.
Prämienboom mit selektivem Profil
Die globale Versicherungswirtschaft wuchs 2025 um 7,1 Prozent auf 6,9 Billionen Euro — deutlich über dem Zehn-Jahres-Schnitt von 5,6 Prozent jährlich. Besonders auffällig: die Krankenversicherung. Globale Krankenprämien legten um 12,3 Prozent zu, die stärkste Expansion seit 2014, angetrieben durch alternde Bevölkerungen, steigende Behandlungskosten und überlastete öffentliche Gesundheitssysteme.
Anders das Bild im Schaden- und Unfallsegment. Der P&C-Markt normalisierte sich nach dem Preisboom: Das globale Prämienwachstum fiel auf 3,8 Prozent, nach 8,5 Prozent im Vorjahr. Nordamerika — mit 52 Prozent der weltweiten P&C-Prämien das Schwergewicht — kam nur auf 2,2 Prozent Wachstum.
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Asien zieht, Klimarisiken drücken
Für die nächsten zehn Jahre erwartet Allianz Research ein globales Jahreswachstum von 5,3 Prozent. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Zuwachses von 5,26 Billionen Euro soll aus Asien kommen. Indien ragt dabei heraus: Die Versicherungsdurchdringung liegt bei lediglich 3,8 Prozent des BIP, Pro-Kopf-Ausgaben bei rund 85 Euro — das Aufholpotenzial ist enorm. Allianz Research rechnet mit jährlichem Prämienwachstum von 10,7 Prozent über das nächste Jahrzehnt.
Klimarisiken trüben das Bild. Versicherte Schäden aus Naturkatastrophen steigen nach Inflation jährlich um fünf bis sieben Prozent. In der EU beliefen sich unversicherte Katastrophenschäden zwischen 2021 und 2023 auf durchschnittlich 59 Milliarden Euro pro Jahr. Geopolitik kommt als weiterer Belastungsfaktor hinzu: Der Irankonflikt stört Energiemärkte und Lieferketten, Allianz Research erwartet für 2026 eine Verlangsamung des globalen BIP-Wachstums auf 2,6 Prozent.
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Aktie und Analysten
Goldman Sachs stufte Allianz zuletzt von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel auf 450 Euro an — das impliziert rund 15 Prozent Aufwärtspotenzial. Das durchschnittliche Kursziel aller Analysten liegt bei 403,90 Euro, neun empfehlen den Kauf, zwei raten zum Verkauf.
Zur Risikoeinschätzung beim viel diskutierten Thema Private Credit: Goldman schätzt das Engagement von Allianz in privaten und strukturierten Krediten auf rund 22 Prozent des Anlageportfolios. Selbst unter einem extremen Stressszenario — dem schwersten Ausfall-Zyklus der vergangenen 40 Jahre — würden die Verluste für Allianz Leben lediglich 0,7 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen.
Die Aktie notiert bei 381,50 Euro und liegt damit knapp 3,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom April. Mit einem RSI von 72,4 ist die Aktie kurzfristig leicht überkauft — was erklärt, warum der Kurs seit Jahresbeginn kaum vom Fleck kommt, obwohl die Solvency-II-Quote zuletzt auf 221 Prozent stieg. Eine für das zweite Quartal geplante Emission von nachrangigem Kapital soll die Quote um weitere zwei Prozentpunkte erhöhen.
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