Die Allianz-Aktie kostet 420,50 Euro. Ein Analyst hält sie trotzdem für nur 325 Euro wert. Diese Lücke wächst seit Monaten, und sie wirft eine einfache Frage auf: Wer hat recht?

Jefferies bleibt stur bei 325 Euro

Jefferies-Analyst Philip Kett hat sein Kursziel seit Dezember 2024 nicht mehr verändert. Damals hob er es von 310 auf 325 Euro an. Seither passiert nichts.

Am 25. Februar 2026 bestätigte Kett „Hold“ und 325 Euro. Er verwies auf ein größeres Aktienrückkaufprogramm als erwartet. Einen Tag später, nach den Jahreszahlen 2025, wiederholte er dasselbe Urteil.

Im Mai lobte Kett dann die Rekordwerte beim operativen Gewinn des ersten Quartals. Trotzdem änderte er nichts – die Nachhaltigkeit der Zahlen müsse sich erst zeigen, schrieb er. Am 13. Juli 2026 folgte die nächste Bestätigung im monatlichen Sektorbericht. Das ist bemerkenswert: Der europäische Versicherungssektor legte im Vormonat im Schnitt um 7,5 Prozent zu. Jefferies rührte sein Ziel trotzdem nicht an.

Aktuell notiert die Aktie 29 Prozent über dem Jefferies-Kursziel. Für eine „Hold“-Einstufung ist das ein außergewöhnlich großer Abstand.

Die Zahlen stützen eher die Optimisten

Ein Blick auf die Fundamentaldaten zeigt: Die Allianz-Aktie wirkt nicht überbewertet. Das KGV liegt bei rund 14, die Dividendenrendite bei etwa 4,4 Prozent. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 160 Milliarden Euro.

Diese Werte passen kaum zu einem Kursziel, das seit anderthalb Jahren stillsteht. Andere Investmentbanken sehen die Aktie denn auch deutlich optimistischer als Jefferies. Die Bandbreite der Kursziele am Markt reicht inzwischen von Ketts konservativen 325 Euro bis zu klar höheren Werten der Konkurrenz.

Charttechnik zeigt einen weit gelaufenen Trend

Die Aktie legt am Dienstag um 0,43 Prozent zu und nähert sich damit wieder ihrem 52-Wochen-Hoch von 425,50 Euro, aufgestellt am 10. Juli 2026. Der Abstand beträgt nur noch 1,18 Prozent.

Auf Monatssicht steht ein Plus von 6,75 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 8,18 Prozent. Der Titel liegt 6,83 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 11,59 Prozent über der 200-Tage-Linie. Der RSI von 68,8 signalisiert: Die Aktie nähert sich der überkauften Zone.

Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Kursgewinn auf 21,43 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 334,90 Euro beträgt der Abstand mittlerweile 25,56 Prozent.

Der Halbjahresbericht als nächster Test

Am 7. August 2026 legt die Allianz ihren Halbjahresbericht vor. Bestätigt der Konzern die operative Stärke aus dem ersten Quartal, steht Jefferies vor einer Entscheidung. Entweder passt Kett sein Kursziel nach mehr als anderthalb Jahren erstmals an – oder er bleibt bei 325 Euro, während die Kluft zum Marktkurs weiter wächst.