Die Allianz-Aktie klettert von Hoch zu Hoch. Die Analysten sind sich uneins wie selten. Ein Haus hält seit anderthalb Jahren an einem Kursziel fest, das mittlerweile weit unter dem tatsächlichen Kurs liegt.
Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 425,30 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 430,60 Euro. Binnen eines Monats hat die Aktie um 5,43 Prozent zugelegt. Die Rally wirft eine Frage auf: Wie bewerten Analysten einen Titel, der ständig neue Bestmarken setzt?
Die Kluft zwischen den Kurszielen
Berenberg bestätigte am 15. Juli seine Kaufempfehlung. Jefferies beließ es zwei Tage zuvor bei „Hold“. JPMorgan reiht sich mit „Neutral“ ein, nennt aber ein Kursziel von 430 Euro – auffällig nah am aktuellen Kurs.
Besonders auffällig bleibt die Position von Jefferies-Analyst Philip Kett. Seit Dezember 2024 hält er an der Einstufung „Hold“ fest. Sein Kursziel: 325 Euro. Der tatsächliche Kurs liegt inzwischen rund 100 Euro darüber.
Normalerweise passt eine so große Lücke zwischen Kursziel und Marktpreis eher zu einer Verkaufsempfehlung. Nicht zu einem „Halten“. Ein Analyst hält an einem deutlich niedrigeren fairen Wert fest, während der Kurs unbeirrt neue Marken erklimmt.
Rückkäufe stützen den Kurs
Parallel zur Rally treibt die Allianz ihr Aktienrückkaufprogramm voran. Der Konzern will Aktien im Wert von bis zu 2,5 Milliarden Euro zurückkaufen, gestartet am 13. März. Bis Mitte Juni hatte die Allianz bereits rund 3,27 Millionen eigene Aktien erworben, für etwa 1,22 Milliarden Euro.
Solche Programme wirken meist stabilisierend. Sie verknappen das Angebot an frei handelbaren Aktien und stützen so den Kurs zusätzlich zur fundamentalen Entwicklung.
Bewertung bleibt moderat
Trotz der Rekordjagd gilt die Allianz-Aktie nicht als überteuert. Das KGV liegt bei rund 14, die Dividendenrendite bei etwa 4 Prozent. Diese Kennzahlen erklären, warum selbst skeptische Analysten wie Jefferies nicht zum Verkauf raten – trotz der Diskrepanz beim Kursziel.
Halbjahreszahlen als nächster Test
Am 7. August 2026 legt die Allianz ihre Halbjahreszahlen vor. Bestätigt der Bericht die operative Stärke aus dem ersten Quartal, dürfte sich zeigen, ob Jefferies nach mehr als anderthalb Jahren erstmals nachjustiert – oder weiter an den 325 Euro festhält.
Bis dahin bleibt die Diskrepanz zwischen den Kurszielen ein Streitpunkt unter Investoren. Der Kurs selbst zeigt sich davon bislang unbeeindruckt.
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