Die Allianz sortiert ihre Führungsspitze neu. Günther Thallinger scheidet zum Jahresende aus dem Vorstand aus, der damit von neun auf acht Mitglieder schrumpft. Tomas Kunzmann, bislang CEO von Allianz Partners, übernimmt ab Januar 2027 dessen Zuständigkeiten für die globale Krankenversicherung und Nachhaltigkeitsthemen. Die Berufung Kunzmanns in den Vorstand war bereits im März angekündigt worden, Ende Juli folgte die konkrete Aufgabenverteilung.
Der personelle Umbau fällt in eine Phase, in der der Versicherungskonzern sein internationales Vermögensverwaltungsgeschäft ausbaut. Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass Allianz Global Investors kurz vor der Übernahme der Vermögensverwaltungssparte der United Overseas Bank steht, wie Medienberichten zufolge zu erfahren war.
Ein Abschluss ist bislang nicht bestätigt, doch die Expansion passt zur Linie des Konzerns, sein Asset Management international zu stärken – parallel zur bereits vollzogenen Aufstockung der Pimco-Beteiligung auf über 95 Prozent vor gut einem Monat.
Kapitaldisziplin trifft auf Wachstumskurs
Die Neuordnung an der Vorstandsspitze und die Zukäufe im Asset Management stehen im Kontext eines finanziell robusten Konzerns. Die Solvency-II-Quote lag zum Halbjahr bei 225 Prozent, sieben Prozentpunkte über dem Stand zum Jahresende 2025. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2,5 Milliarden Euro läuft planmäßig: Zwischen dem 31. August und dem 4. September kaufte die Allianz weitere 190.580 eigene Aktien zurück, seit dem Start im März summiert sich das Volumen auf 5,64 Millionen Aktien.
Diese Kapitalstärke erlaubt dem Konzern, gleichzeitig auf mehreren Feldern zu investieren – bei Pimco, bei HSBC Life Singapore und potenziell bei der UOB-Vermögensverwaltung – ohne die Aktionärsrendite über das Rückkaufprogramm zu vernachlässigen.
Für Anleger bedeutet das: Die Allianz nutzt ihr Rekordergebnis aus dem ersten Halbjahr von 9,4 Milliarden Euro operativem Gewinn nicht nur zur Ausschüttung, sondern auch zur strategischen Neuausrichtung.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse bewegt sich die Aktie derzeit in einer engen Spanne. Am heutigen Donnerstag notiert das Papier bei 439,40 Euro und damit ein Prozent im Plus gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 435,20 Euro.
Über die vergangenen sieben Handelstage hat die Aktie jedoch 3,1 Prozent verloren, während sie sich gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt weiterhin um 12 Prozent im Plus befindet. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem September, das bei 454,50 Euro lag, ist der Kurs 3,3 Prozent entfernt.
Die anstehende Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026, für den 12. November in München angekündigt, dürfte weitere Hinweise liefern, wie sich die laufenden Übernahmegespräche und der Führungswechsel im Vorstand auf die operative Entwicklung auswirken. Bis dahin bleibt der Konzern damit beschäftigt, seine internationale Vermögensverwaltung zu konsolidieren und die Nachfolge im Management reibungslos zu gestalten.
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