Allianz, Munich Re & Aixtron: Wenn Rekordgewinne nicht mehr genügen – und ein Chip-Ausrüster auf 2027 vertröstet

Versicherungsriesen Allianz und Munich Re melden Rekordgewinne, doch die Börse reagiert verhalten. Chipausrüster Aixtron erwartet ein schwieriges Übergangsjahr, bevor 2027 ein Wachstumsschub durch KI-Rechenzentren einsetzen soll.

Allianz, Munich Re & Aixtron: Wenn Rekordgewinne nicht mehr genügen – und ein Chip-Ausrüster auf 2027 vertröstet
Kurz & knapp:
  • Munich Re übertrifft Gewinnziel, Aktie verliert trotzdem
  • Allianz glänzt mit operativem Rekordergebnis
  • Aixtron erwartet Umsatzrückgang bei Leistungshalbleitern
  • Deutsche Telekom wächst durch US-Geschäft

Liebe Leserinnen und Leser,

6,1 Milliarden Euro Gewinn – und die Aktie fällt. 10,8 Milliarden Euro Überschuss – und die Börse zuckt mit den Schultern. Willkommen in einer Marktphase, in der selbst Rekordergebnisse deutscher Versicherungsriesen nicht mehr ausreichen, um Anleger zu begeistern. Während Munich Re und Allianz heute ihre Bilanzen vorlegten und beide mit satten Dividendenerhöhungen sowie Aktienrückkäufen lockten, zeigt sich: Die Messlatte liegt inzwischen so hoch, dass selbst Bestleistungen zur Enttäuschung werden können. Gleichzeitig offenbart der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron, dass 2026 ein weiteres Übergangsjahr wird – mit der Hoffnung auf einen Wachstumssprung erst 2027. Drei deutsche Unternehmen, drei unterschiedliche Geschichten – doch alle eint die Frage: Was braucht es heute noch, um an der Börse zu überzeugen?

Munich Re übertrifft Ziel – und enttäuscht trotzdem

Der Rückversicherer Munich Re hat 2025 trotz der verheerenden Waldbrände in Los Angeles sein eigenes Gewinnziel übertroffen. Mit einem Überschuss von 6,1 Milliarden Euro – ein Plus von gut sieben Prozent – lieferte der Konzern auf den ersten Blick eine solide Leistung ab. Die Naturkatastrophenschäden fielen mit 1,1 Milliarden Euro deutlich niedriger aus als im Vorjahr, als fast 1,8 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Allein die Feuer in Los Angeles kosteten den Rückversicherer rund 800 Millionen Euro.

Doch die Börse reagierte mit Enttäuschung: Die Aktie büßte 2,4 Prozent ein. Der Grund: Analysten hatten sich mehr erhofft. Zudem muss Munich Re wie andere Rückversicherer im wichtigen Schaden- und Unfallgeschäft mit sinkenden Preisen leben. Bei der Vertragserneuerungsrunde Anfang 2026 musste der Konzern einen Preisrückgang von zweieinhalb Prozent hinnehmen – besonders deutlich bei der Rückversicherung von Naturkatastrophen-Schäden mit einem Minus von etwa sechs Prozent. Um keine unrentablen Verträge zu unterschreiben, verzichtete Munich Re in diesem Zuge auf Geschäft: Das erneuerte Prämienvolumen schrumpfte um fast acht Prozent auf 13,7 Milliarden Euro.

Konzernchef Christoph Jurecka versuchte zu beruhigen und sprach von „robusten und gesunden Margen“ in den erneuerten Verträgen. Für 2026 erwartet er einen Gewinnanstieg auf 6,3 Milliarden Euro – getragen von positiven Entwicklungen in der Lebens- und Kranken-Rückversicherung sowie im Direktgeschäft mit großen Industriekunden. Die Aktionäre dürfen sich immerhin über eine deutlich höhere Dividende freuen: 24 Euro je Aktie, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Zudem plant der Konzern bis zur Hauptversammlung 2027 Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu 2,25 Milliarden Euro.

Allianz glänzt mit Rekord – die Börse bleibt skeptisch

Auch beim Münchner Versicherungsriesen Allianz sprudeln die Gewinne weiter. Das operative Ergebnis stieg um gut acht Prozent auf knapp 17,4 Milliarden Euro, unter dem Strich verdiente der Konzern 2025 fast 10,8 Milliarden Euro – etwa achteinhalb Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders das Schaden- und Unfallgeschäft entwickelte sich stark: Der operative Gewinn der Sparte kletterte um 14 Prozent auf knapp neun Milliarden Euro. Dabei half der Allianz wie bei anderen Versicherern das Glück: Die Naturkatastrophenschäden fielen mit gut 1,1 Milliarden Euro vergleichsweise niedrig aus.

Die Dividende soll nun um elf Prozent auf 17,10 Euro je Aktie steigen. Zudem kündigte die Allianz – wie bereits am Mittwochabend bekannt – einen Aktienrückkauf für bis zu 2,5 Milliarden Euro an. Für 2026 nimmt sich Vorstandschef Oliver Bäte einen operativen Gewinn in Höhe von 16,4 bis 18,4 Milliarden Euro vor – eine Spanne, die jeweils eine Milliarde Euro nach oben und unten offenlässt. Analysten hatten zuletzt bereits etwa 18 Milliarden Euro auf dem Zettel.

Doch auch hier zündeten die Neuigkeiten an der Börse nicht. Die Aktie ging zunächst in den Sinkflug, bevor sie sich im Tagesverlauf auf ein Plus von 0,8 Prozent vorarbeitete. Analysten von RBC machten den Ausblick als Schwachpunkt aus. Die Zurückhaltung der Anleger zeigt: Selbst Rekordgewinne und großzügige Ausschüttungen reichen in einem Umfeld hoher Erwartungen nicht immer aus, um die Kurse nachhaltig anzutreiben. Wer die Allianz-Aktie seit drei Jahren im Depot hat, kann sich dennoch über einen Kursgewinn von etwa 75 Prozent freuen – und über regelmäßig hohe Dividenden.

Aixtron vertröstet auf 2027 – Hoffnung auf KI-Rechenzentren

Während die Versicherer mit Rekorden aufwarten, steckt der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron in einem weiteren Übergangsjahr. Nach Umsatz- und Gewinneinbußen geht das Herzogenrather Unternehmen vorsichtig in 2026. Die wichtigen Geschäfte mit Anlagen zur Herstellung bestimmter Leistungshalbleiter – etwa für die Elektromobilität – dürften sich teils schwierig gestalten. Für das laufende Jahr erwartet Konzernchef Felix Grawert einen Umsatz von rund 520 Millionen Euro, mit einer Marge von 16 bis 19 Prozent. Das liegt im Rahmen der Analystenschätzungen.

Der Grund für die Zurückhaltung: Im Bereich der Leistungselektronik auf Basis von Siliziumkarbid (SiC) rechnet Aixtron mit einem deutlichen Rückgang, da die Überkapazitäten im Markt weiterhin signifikant sind. Die triste Nachfrage nach E-Autos, Smartphones und Laptops belastet. Ein erwartetes moderates Wachstum bei Galliumnitrid (GaN)-Leistungselektronik sowie ein starkes Wachstum in der Optoelektronik – getrieben vom Bedarf für schnelle optische Datentransfers in KI-Rechenzentren – dürften dies nur teilweise kompensieren.

Doch es gibt Hoffnung: Mittelfristig soll die Elektromobilität durch die vermehrte Einführung von 800-Volt-Batteriesystemen zu einem verstärkten Einsatz von SiC-Bauelementen führen. Das sollte sich 2027 positiv auf die Nachfrage auswirken. Auch bei GaN-Chips rechnet Aixtron mit einem deutlichen Anstieg der Nachfrage. Analyst Armin Kremser von der DZ Bank geht davon aus, dass im Zuge des für 2027 geplanten breiten Hochlaufs von Nvidias 800-Volt-Architektur in KI-Rechenzentren bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 steigende Bestellungen sichtbar werden. Damit werde ein starker Impuls für einen Wachstumssprung im kommenden Jahr ausgelöst.

Die Börse zeigte sich zunächst enttäuscht: Die Aktie rutschte am Morgen um gut zehn Prozent ab. Doch im Tagesverlauf erholte sich das Papier deutlich und legte zuletzt sogar 5,5 Prozent zu. Offenbar überzeugte die Perspektive auf 2027 doch noch. Für 2026 hat Aixtron zudem einen weiteren Personalabbau am Stammsitz Herzogenrath vereinbart, der mit einem mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrag an Kosten zu Buche schlagen soll.

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Deutsche Telekom wächst weiter – doch der Ausblick enttäuscht leicht

Auch die Deutsche Telekom legte heute ihre Jahreszahlen vor und profitierte erneut von den guten Geschäften ihrer US-Tochter T-Mobile US. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf rund 119,1 Milliarden Euro, organisch lag das Wachstum bei 4,2 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 2,8 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro, organisch sogar um 4,7 Prozent. Unter dem Strich verdiente die Telekom 9,6 Milliarden Euro, nach knapp 11,2 Milliarden im Vorjahr.

Für 2026 will Konzernchef Timotheus Höttges den bereinigten Gewinn um sieben Prozent auf rund 47,4 Milliarden Euro steigern. Der bereinigte freie Cashflow soll auf rund 19,8 Milliarden Euro ansteigen. Laut einem vom Konzern selbst zusammengestellten Konsens erwarteten Analysten beim operativen Ergebnis bisher weniger, beim freien Barmittelfluss aber etwas mehr. Die Aktionäre sollen für 2025 eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie erhalten – so viel wie nie zuvor. Zudem plant das Management für 2026 Aktienrückkäufe in Höhe von bis zu 2 Milliarden Euro.

Die Börse reagierte verhalten: Die Aktie notierte im Tagesverlauf 2,2 Prozent im Minus. Ein Börsianer sprach von durchwachsenen Zahlen und Unternehmenszielen. Die gute heimische Geschäftsentwicklung sichere die Aktie aber nach unten ab. Auf dem deutschen Heimatmarkt sank der Umsatz leicht um 0,4 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro, als Grund führt die Telekom geringere Endgeräteumsätze an. Die Service-Umsätze stiegen indessen organisch um 1,1 Prozent.

DAX behauptet sich – Nvidia-Zahlen verpuffen

Der DAX hat am Donnerstag seine anfänglichen Verluste abgeschüttelt und ist ins Plus gedreht. Am frühen Nachmittag notierte der deutsche Leitindex 0,45 Prozent höher bei 25.289 Punkten. Oberhalb der Marke von 25.300 Punkten war im Tagesverlauf aber wieder Schluss. In diesem Bereich kristallisiert sich seit Mitte Februar ein wichtiger Widerstand heraus.

Die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Nvidia konnten den Markt nicht nachhaltig antreiben. Der KI-Champion übertraf zwar erneut die Erwartungen deutlich – der Umsatz sprang im letzten Quartal des Geschäftsjahres um 73 Prozent auf 68 Milliarden Dollar hoch, auch der Ausblick übertraf die Schätzungen. Doch die Nvidia-Aktie sackten im US-Handel zeitweise um mehr als fünf Prozent ab. Marktstratege Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI erklärte: Es reiche inzwischen nicht mehr, die Erwartungen zu übertreffen. Der KI-Zyklus sei bereits so weit fortgeschritten, dass sich die Anleger zunehmend fragten, wie lange es noch so rasant weitergehen werde.

Auch Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies auf die Zweischneidigkeit der starken Nvidia-Zahlen: „Längst sind Signale eines schnelleren KI-Ausbaus, wie sie Nvidia lieferte, kein Grund mehr für Anleger, in Jubel-Arien zu verfallen. Sie kennen die Kehrseite der Medaille: die Disruption durch KI. Wenn der KI-Ausbau schneller verläuft als gedacht, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies ebenso für die KI-Disruption gilt.“

In Deutschland dominierten heute die Unternehmensbilanzen das Geschehen. Neben Allianz, Munich Re, Deutscher Telekom und Aixtron legten auch Scout24, Freenet, Kion, Puma, Hensoldt und zahlreiche weitere Unternehmen ihre Zahlen vor. Die Reaktionen fielen gemischt aus – ein Zeichen dafür, dass Anleger in einem anspruchsvollen Marktumfeld genau hinschauen und selbst gute Ergebnisse kritisch hinterfragen.

Die kommenden Tage dürften weiterhin von der Berichtssaison geprägt sein. Zudem bleibt die Frage, ob der DAX den Widerstand bei 25.300 Punkten nachhaltig überwinden kann – oder ob die Zurückhaltung der Anleger anhält. Eines zeigt sich jedenfalls deutlich: In Zeiten hoher Bewertungen und großer Erwartungen reichen selbst Rekordgewinne nicht immer aus, um die Börse zu begeistern. Anleger verlangen mehr – mehr Wachstum, mehr Visibilität, mehr Überzeugungskraft. Und wer das nicht liefert, wird abgestraft, egal wie gut die Zahlen auf den ersten Blick aussehen.

Bis morgen – und bleiben Sie kritisch,
Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

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